AMIGA-Magazin · Ausgabe 10/99 · Feinschliff: »Scalos 1.2a«

Aktuelles Heft 10/99

Workbench, die zweite

Da sich die Auslieferung von AmigaOS 3.5 leider noch verzögert, nutzen wir diese Gelegenheit, um den beliebten Workbenchersatz »Scalos« näher zu beleuchten. Bereits in Ausgabe 8/99 haben wir die aktuelle Version 1.2a vorgestellt. Heute geht es darum, Ihnen den Umgang mit Scalos näher zu bringen und zu zeigen, was dieses Programm kann.

von Mario Cattaneo

Wer kennt das nicht: Da hat man sich ein neues Programm installiert, und um es nutzen zu können, gilt es erst einmal, die Dokumentation zu studieren. Für viele ein abschreckender Gedanke. Es liegt einfach viel mehr in der Natur des Menschen, durch Erfahrungen klug zu werden, sprich, aus Fehlern zu lernen. Wie könnte man dies besser tun, als durch simples Ausprobieren. Begeben wir uns also auf die Reise in das Unbekannte. »Scalos« ist installiert, der Rechner neu gestartet, und auf den ersten Blick sieht eigentlich alles genauso aus wie immer...

Was fürs Auge

Sim Tool/Manager:
Mit Scalos ist es auch ohne Zusatzprogramme möglich, Werkzeugleisten zu erzeugen.
Wer seinem Amiga eine moderne Oberfläche mit bunten Hintergrundbildern gönnt, stellt schnell fest, daß dieser Spaß sehr speicherintensiv sein kann. Und mit Scalos steigt der Verbrauch anscheinend auf das Doppelte an. Das liegt einfach daran, daß die Bilder für den Hintergrund zweimal im Speicher gehalten werden. Einmal durch Scalos selbst und zum zweiten durch »IPrefs«, das auf dem Amiga für die Verwaltung und Überwachung aller Konfigurationsdateien verantwortlich ist. Dieses Problem läßt sich beheben, indem man die Datei ENVARC:Sys/WBPattern.pref umbenennt. Alternativ könnte man auch den Voreinsteller der Workbench benutzen, um alle Einstellungen zu löschen; doch so bleiben alle Einstellungen noch erhalten. Ein späterer Rückgriff ist immer wieder möglich.

Wenn es um Hintergrundmuster geht, bietet Scalos eine große Vielfalt an Konfigurationsmöglichkeiten. Hierzu wird zunächst in »Scalos Pattern« jedem Bild eine Zahl zwischen 1 und 300 zugewiesen. Dann legt man fest, welches Bild für das Hauptfenster, Verzeichnisse (wobei Scalos zwischen Verzeichnissen im Text- und Piktogrammmodus unterscheiden kann) oder den Bildschirm verwendet wird. Ausschlaggebend ist hier die entsprechende Zahl. So legt man z.B. fest, daß das Bild mit der Zahl »1« in allen Verzeichnisfenstern benutzt wird. Gibt es nun mehrere Bilder, die »vom Typ 1« sind, so kann man durch Aktivieren von «ständiger Zufall» Scalos veranlassen, bei jedem Öffnen eines Fensters sich aus der Liste ein beliebiges Bild zu wählen. In diesem Modus ist es zu empfehlen, auch »asynchrones Berechnen« zu aktivieren.

Tut man das nicht so wartet Scalos jedesmal bis ein Bild gefunden wurde mit dem Anzeigen des Inhalts der Schublade. Hat man viele Bilder zur Auswahl und die Wahl fällt nicht auf ein bereits geladenes Bild, kann das sehr störend sein. Wer noch mehr Einfluß möchte, der kann auch gezielt Bilder für einzelne Schubladen-Fenster angeben. Hierzu dient das Piktogrammmerkmal »SCALOS_PATTERNNO«. Möchte man z.B. das Fenster Workbench/Prefs mit einem Bild »Type 4« hinterlegen, trägt man in Prefs.info das Merkmal SCALOS_PATTERNNO=4 ein. Beim nächsten Öffnen wirkt die Änderung.

Selbst gemacht

Weitere unterstützte Merkmale sind »SCALOS_NOTEXT« und »SCALOS_NODRAG«. Ersteres dient dazu, Piktogramme ganz ohne Text darzustellen und somit platzsparender auf dem Bildschirm zu verteilen. Das zweite Merkmal verhindert das (versehentliche) Verschieben eines Piktogrammes. Zwar kann man es dann immer noch verschieben, doch egal, wo man es fallen läßt, es kehrt immer wieder an seinen ursprünglichen Platz zurück.

Zusammen kann man die beiden Merkmale z.B. sehr schön nutzen um sich eine Werkzeugleiste, wie man sie von »ToolManager« oder ähnlichen Programmen her kennt, selbst zu basteln. »NOTEXT« ermöglicht es, Piktogramme an den Rand des Bildschirms zu legen, da kein Text dies verhindert. Mit »NODRAG« geht man sicher, daß die Leiste auch an ihrem Platz bleibt (vor allem, wenn auch andere Personen den eignen Rechner mitbenutzen). Natürlich sollte man dieses Merkmal erst setzen, wenn das Piktogramm an seiner endgültigen Position ist. Praktisch sind diese Leisten besonders für Benutzer, die lieber durch einen Doppelklick ein Programm starten, als gleich beim ersten Mal. Mit dem kleinen Programm »Opendrawer« im Verzeichnis Scalos:Tools kann man sich auch Icons in die Leiste einbauen, die eigene Fenster öffnen. Und das, ohne dafür Schubladen auslagern zu müssen. Ein solches Werkzeug ist übrigens auch intern verfügbar. Unter dem Namen »Piktogrammfenster« kann es in »Scalos Menu« eingestellt werden. So lassen sich Menüpunkte erzeugen, die das Fenster einer Schublade öffnen. Man erspart sich so, bei größeren Gruppen von Dateien (wie z.B. den System-Voreinstellern) jedem Programm einen eigenen Eintrag zu spendieren.

Die Übersichtlichkeit wird dadurch natürlich erhöht. Und für alle, die auf Ihrem System von Zeit zu Zeit »CyberPatcher« laufen lassen wollen, noch ein kleiner Tip. Da Scalos beim normalen Start von CyberPatcher abstürzt, legen Sie sich einen extra Menüpunkt dafür an und starten sie ihn daraus. Wichtig ist, daß Sie »AmigaDOS« angeben. Dann läuft CyberPatcher auch mit Scalos, man muß ihn nicht immer aktiv haben und muß in der »User-Startup« nichts zu ändern.

Der Palettenverwaltung widmet Scalos einen eigenen Voreinsteller. Hier kann man Scalos so einstellen, daß es kleine Programme, wie den »MagicWB-Daemon«, ersetzt. Alle Farbstifte, die »fest« seien sollen, stellt man hier ein. Die ersten acht auf die Palette von MagicWB. Die nächsten kann man dann um die Farben der »RomIcons« ergänzen. Piktogramme mit nur 8 statt 256 Farben und auch MUI-Applikationen werden dann nicht mehr auf einer Workbench mit größerer Farbtiefe falsch dargestellt.

Die Module

2 in 1:
"Palette" ersetzt Programme wie den "MagicWB-Daemon" und erlaubt die freie Verteilung von Systemstiften.
Kernstück der Neuerung von Scalos gegenüber der original Workbench ist die Schnittstelle zum Benutzer. Damit gemeint sind vor allem Ein- und Ausgabefenster, wie »Befehl Ausführen«, »Umbenennen«, »Information anzeigen...« usw.

Je nach Geschmack kann man sich hier für die optisch ansprechenden, aber eher langsamen MUI-Versionen entschieden; oder man begnügt sich mit den schlichten aber dafür schnellen GadTools-Vertretern. Einen Kompromiß aus beidem stellen die Module mit ClassAct- Oberfläche dar. Interessant dürften diese vor allem sein, wenn man an das kommende OS3.5 denkt. Denn dort wird bekanntlich »ReAction«, eine Weiterentwicklung von ClassAct/BOOPSI, als Standard für die Oberfläche von Systemapplikationen zum Einsatz kommen.

Technisch unterscheiden sich die verschiedenen GUI-Versionen kaum. Lediglich besondere Eigenschaften, die das jeweilige GUI mit sich bringt, können die Bedienung etwas abweichen lassen. Praktische Neuerungen sind allen gemein. So können nun z.B. direkt Schubladen inklusive Unterverzeichnisse erzeugt werden. Hierzu muß man diese einfach nur in der Form »Schublade/UV1/UV2« angeben. Diese Funktion wird in der Anleitung leider nicht erwähnt. Die einzige Ausnahme, was den Funktionsumfang angeht, ist das »information.module«.

Mehr Power:
Das Info-Modul mit Mui Oberfläche. Längere Ladezeit, aber dafür am umfangreichsten.
Aufgerufen wird es durch den Menüpunkt »Piktogramm/Informationen«. Eine GadTools-Version fehlt hier ganz. Stattdessen muß in den Voreinstellungen von Scalos unter »Vermischtes« die Eigenschaft »Hardemulation« aktiviert werden. Dann wird die Original-Funktion der sich im ROM befindlichen »workbench.library« aufgerufen. Allerdings muß man zusätzlich jedes »InfoModul« von Scalos entfernen, da sonst dieses trotzdem aufgerufen wird. Die Verwendung dieser Funktion ist sicher nicht sehr kompatibel. Mit der Workbench von OS3.5 wird sie ohne weiteres nicht mehr zusammen arbeiten. Die CA-Version entspricht in etwa der der Workbech. Ganz anders ist dies bei der MUI-Version. Diese kann z.B. »NewIcons« anzeigen oder auch direkt den Piktogrammtyp verändern. Zusätzlich werden auch noch die von NewIcons benutzen kryptischen Piktogrammmerkmale verborgen. Das ist auch gut so, denn von Hand sollte man diese auch nicht editieren. Man würde nur die darin enthaltenen Bildinformationen zerstören.

Soviel zu den kleinen Denkanstößen für Scalos. Sicher könnte man hier noch einiges mehr schreiben, jedoch ist dieser Artikel nicht dafür gedacht, eine komplette Anleitung darzustellen. Vielmehr sollen eigene Ideen gefördert und der Forscherdrang gesteigert werden. Viel Spaß beim Ausprobieren!

lb


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Zuletzt aktualisiert am 13. September 1999.