AMIGA-Magazin · Ausgabe 10/03 · Web:Mozilla in der Praxis

Aktuelles Heft 10/03

Talentierter Drache

Als Webbrowser gibt es »Mozilla« leider nicht für AmigaOS ­ unter Amiga-Linux ist der Browser aber verfügbar. Der Browser lässt sich jedoch nicht nur zum Surfen einsetzen, sondern auch als Applikations-Plattform.

von Jörn-Erik Burkert

Profi-Programm:
Die Entwicklungsumgebung "Komodo"von ActiveState bautauf Mozilla-Technologie auf.

Als Webbrowser haben sich »AWeb« und Co. auf dem Amiga bewährt. Leider geht die Weiterentwicklung der Amiga-Browser nur schleppend voran. Auf zusätzliche Features wie CSS oder DHTML muss man auf dem Amiga verzichten. Das ist für den Amiga-Surfer auf so mancher Webseite ein Nachteil ­ die Dokumente werden nicht korrekt angezeigt. Zumindestens unter Linux kann man auf dem Amiga und den angekündigten AmigaOne bzw. Pegasos, Mozilla benutzen. Die Open-Source-Variante des Netscape-Browsers benutzt die so genannte Gecko-Engine für das Layout von Content.

Mittlerweile gibt es von Bill Panagouleas (DiscreetFX) eine Initiative, die eine Mozilla-Version für den Amiga auf den Weg bringen soll. Der Chef des Unternehmens DiscreetFX ist von der Browser-Plattform überzeugt ­ deshalb hat er eine Prämie von 2000 US-Dollar aus eigener Tasche für den ersten Amiga-Port von Mozilla ausgelobt. Mittlerweile haben sich weiter Amiga-Fans an dieser Aktion beteiligt und den finanziellen Anreiz auf über 4000 Dollar gesteigert. Ein Port des Mozilla-Abkömmlings zählt auch für die Prämie. Weitere Informationen findet man auf der AmiZilla-Website.

XUL, CSS und JavaScript
Mozilla zeigt Webinhalte an und benutzt dabei wie jeder moderne Browser auch Cascading Style Sheets (CSS) und JavaScript. Die Gecko-Engine übernimmt diese Aufgabe ­ Sie liest das Webdokument und rendert dieses. Eine weitere Möglichkeit Inhalte in Mozilla zu zeigen ist die Formatierung mit dem XPFE-Framework. Diese Layout-Engine nutzt XML, CSS und JavaScript, um die Inhalte darzustellen. Dazu gibt es die XUL-Dokumente ­ die Abkürzung steht für XML-based User-interface Language. Das System hat Parallelen zu DHTML, nutzt aber XUL-Dokumente anstelle von HTML. Innerhalb von XUL kann man aber auch HTML-Daten integrieren. Auf diese Art und Weise arbeitet das Mozilla-Interface ­ es wurde komplett mit dieser Technologie entwickelt. Das gilt für den Browser, Mailer, Chatclient und Newsreader.

Beispiel:
Ein simples Fenster mit GUI - Elementen lässt sich in Mozilla in wenigen Zeilen realisieren.

Durch das verwendete System, wirkt Mozilla auf älteren Rechner noft sehr träge, denn die Gecko-Engine muss die Inhalte wie bei einer Webseite erst rendern. Da die Oberfläche im Prinzip wie eine interaktive Webseite funktioniert, kann man relativ schnell das Aussehen der Mozilla-Oberfläche ändern (z.B. Austausch der Grafiksets). Im Gegensatz dazu arbeiten Browser wie »Galeon« mit einer eigenen GUI, die das Fenster mit dem Gecko-Inhalt ansteuert. Hier wird Gecko nur für die Anzeige von Webinhalten verwendet. Darum erscheinen diese Browser meist schneller, als das Mozilla-Original.

Weitere Anwendungen
Durch die vielen Funktionen, die das XPFE- Framework in Kombination mit XUL, CSS und JavaScript bietet, kann man leicht Applikationen zum Mozilla hinzufügen. Beispiele sind diverse Clients für Chat, Spiele oder der Mozilla-Kalender. Ein professionelles Produkt, das auf Mozilla zurückgreift ist der IDE »Komodo« von Activestate, der neben einem Editor weitere Tools wie GUI-Builder oder CVS-Frontend zur Verfügung stellt. Für die Entwicklungsumgebung wurde Mozilla verwendet und erweitert ­ es gibt Komodo für Windows und Linux (Intel). Durch systemspezifische Erweiterungen läuft Komodo leider nur auf den beiden genannten Plattformen.

Reine XUL-Applikationen, die auf das Mozilla-Framework aufbauen, laufen auf jeder Plattform, die einen Port des Browsers haben. Für Amiga-User oder frischgebackene Besitzer eines AmigaOne bzw. Pegasos ist das im Moment nur unter Linux möglich. Man kann dort Applikationen unter Mozilla schreiben und sie z.B. unter MacOS X oder Windows weiterbenutzen. Wenn es für AmigaOS 4 oder MorphOS eine Mozilla-Portierung oder Variante gibt, kann man die XUL-Anwendungen auch da benutzen.

Ein einfaches Beispiel
Um ein XUL-Programm zu schreiben, benötigt man nur einen Texteditor. Listing 1 zeigt ein Beispiel, in dem ein Fenster mit Menü und einer Ausgabe geöffnet wird. Wenn Sie es in Netscape oder Mozilla direkt aufrufen, wird der Inhalt im Browser-Fenster geöffnet. Das getrennte Fenster muss aus einem HTML-Dokument per JavaScript gestartet werden. Im Beispiel wurde dazu die Kontrollbar von ¿ActiveState Komodo 2.3" benutzt. Nach der Deklaration des XML-Dokuments und der Defintion der benötigten Stylesheets, wird mit dem <window>-Tag die Definition des Fensters begonnen. Es folgen zwei in HTML eingebettete JavaScript-Funktionen, die die Aktionen bei der Menüauswahl steuern. Die erste schließt das Fenster und beendet die Anwendung. Die zweite Funktion öffnet über die JavaScript-Funktion alert ein Fenster mit der Copyright-Meldung.
Informationen im Internet
Mozilla http://www.mozilla.org
Mozilla-Projekte http://www.mozdev.org
Netscape http://www.netscape.com
AmiZilla http://www.discreetfx.com/AmiZilla.html
ActiveState http://www.activestate.com
XUL-World http://www.xulwordl.com

 

Im nächsten Abschnitt wird das Menü des Programmfensters definiert. Hier werden die Einträge mit Namen und Funktionsaufruf festgelegt. Zum Abschluss wird ein Text über eingebettetes HTML ausgegeben. Dazu wird eine Tabelle definiert und der Text in die Mitte der Zelle gestellt. Das Beispiel zeigt, wie XML, HTML und JavaScript gemischt werden. Die Auszeichnung erfolgt in XML in das HTML-Anweisungen eingebettet sind. Die können dann auch noch JavaScripte enthalten, die die Kontrolle über das Programm übernehmen. Damit wird im Beispiel die Menüauswertung realisiert. Zusätzlich können Cascading Style Sheets zur Formatierung innerhalb der HTML-Daten zum Einsatz kommen. Man sieht ­ Mozilla ist leistungsfähig und eine Portierung für den Amiga wäre sicher sindvoll. Die Siegprämie von Bill Panagouleas und den anderen Spendern ist auch nicht zu verachten!


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Zuletzt aktualisiert am 21.9. 2003.