AMIGA-Magazin · Ausgabe 10/00 · AOL-Chat: »gegAIM V2«

Aktuelles Heft 10/00

Kleiner Bruder

Dass ein kleiner Markt einem keine (große) Auswahl bietet kann, widerlegen Amiga Programmierer immer wieder aufs Neue. Da gibt es bereits etliche Programme des gleichen Typs, und dennoch findet sich sicher noch Platz für ein weiteres. Das dachte sich auch Gáti Gergely und schuf »gegAIM«.

von Mario Cattaneo

Bei gegAIM handelt es sich, wie bei seinen Verwandten »AmiAIM« (ehemals »Aimcik«) und »AmigAIM«, um ein Pendant für den »AOL Instant Messenger«-Service (kurz AIM). Dieser bietet die Möglichkeit direkt Botschaften mit AOL-Mitgliedern, wie auch Benutzern von AIM-Software auf anderen Plattformen (Linux, Mac etc.) auszutauschen. Hier enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten.

Klein aber fein?

Direkt fällt einem auf, dass gegAIM nicht den Quasi-Standard für Benutzeroberflächen bei Internet Applikationen MUI nutzt. Der Entwickler Gáti Gergely setzt hier bewusst auf das schlichtere, dafür aber systeminterne GadTools. Und schlicht bleibt es auch, wenn man sich den Funktionsumfang ansieht. gegAIM basiert nämlich im Gegensatz zu den beiden Konkurrenten auf dem älteren Tic/Toc-Standard. Dieser ist zwar legal durch Drittsoftware zu nutzen, er bietet allerdings nur einfache Möglichkeiten des Chattens, entweder mit einer Person oder mehreren gleichzeitig (ähnlich ICQ). Letzteres funktioniert in der vorliegenden Version jedoch noch nicht. Eine Unterstützung des aktuellen Oscar-Standards wird es allerdings nur geben, wenn der Autor dafür eine Freigabe erhält. Erst dann werden Features wie »Dateientransfer« oder die Suche nach »Buddies« (Chat-Freunde im Netz) möglich. Was gegAIM seit der Version 2 unterstützt ist beliebig viele paarweise Chats, d.h. zwar mit mehreren Personen gleichzeitig, allerdings jeweils nur mit einer pro Fenster.

Du bist so anders als die anderen
Einer pro Streich: Multichat ist das zwar nicht mit gegAIM möglich, aber immerhin kann mit mehreren Personen auf verschiedenen Kanälen kommunizieren.

Wenn man nicht gerade MUI haßt, was sollte einen dann dazu bringen gegAIM seinen großen Brüdern vorzuziehen? Nun, man kann sagen unser Testkandidat ist das verspielte Kind der Familie. Denn gegAIM unterstützt als einziger das narrator.device (dieses lag der Workbench 2.x bei). Damit ist er in der Lage dem Benutzer alle Nachrichten vorzulesen. Egal ob dies nun Systemmeldungen, inkommende Nachrichten oder gar die eigenen sind. Die Sprachqualität hält sich dabei in Grenzen, aber wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat. Auf jeden Fall eine nette Idee! Gedacht wurde auch an den Fall, dass man Nachrichten auch an Freunde verschicken kann, die offline sind. Wenn man z.B. gerade am Chatten war, der Gegenüber sich schnell ausgeloggt hat und man aber doch noch etwas »so ichtiges« loswerden wollte. Dann tippt man die Nachricht einfach ein und gegAIM verschickt diese dann per E-Mail. Voraussetzung hierfür, man hat die Adresse entsprechend bei den Daten des Buddys angeben und der STMP-Server ist korrekt eingetragen.

Fazit: gegAIM steckt, wie unschwer zu erkennen, noch in den Kinderschuhen. Seine Qualitäten und was dem Autor wichtig erscheint, sind nicht im Gleichgewicht. So fehlt auf der einen Seite eine einfache Umsetzung von Textstilen, wie Kursiv und Fett, auf der anderen Seite jedoch werden bereits Smileys interpretiert und grafisch angezeigt (wenn auch nur in einfach gehaltener Form). Die Versionsnummer suggeriert einem eine bereits längere Entwicklungszeit. Dem ist allerdings nicht so. Bleibt zu hoffen, dass aus dem guten Ansatz noch mehr gemacht wird. Man muss auch bedenken ­ AmiAIM und AmigAIM haben schließlich auch einmal klein angefangen.

Ib

Literatur:
[1] Nachrichten per Knopfdruck, Jörn-Erik Burkert, AMIGA Magazin 7/1999, S. 21
[2] Nicht einfach kopiert, Jörn-Erik Burkert, AMIGA Magazin 3/2000, S. 18

 


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Zuletzt aktualisiert am 8.9.2000.