AMIGA-Magazin · Ausgabe 9/03 · Software: BoulderDäsh

Aktuelles Heft 9/03

Rockford lebt!

Er sammelt Diamanten, weicht herabfallenden Steinen aus und wird von Monstern gejagt. Die Rede ist von Rockford, dem Helden aus BoulderDash. Die Originalmissionen können auch auf dem Amiga gespielt werden.

von Hartwig Tauber

Wir schreiben das Jahr 1984. Für die Homecomputer Atari400/800 kommt ein neues Spiel auf den Markt. Es trägt den Namen »BoulderDash« und zeichnet sich durch ein einfaches Spielkonzept aus. Der Held des Spieles, ein kleines Wesen namens Rockford muss eine bestimmte Anzahl an Edelsteinen einsammeln, bevor sich das Tor zum nächsten Level öffnet. Allerlei Hindernisse versperren dabei den Weg zum ersehnten Ausgang.

Ein wenig Geschichte

Wiedersehen:
Er ist es ­ Rockford der große Diamantenjäger ist auf den Amiga zurückgekommen!


Während es in den ersten Levels lediglich gilt, den Weg so zu wählen, dass Rockford von keinen herabfallenden Felsen erwischt wird, gesellen sich im weiteren Spielverlauf allerlei Monster hinzu, die dem Helden das Leben schwer machen. Glücklicherweise kann Rockford die überall herumliegenden Steine auch dazu verwenden, um den Verfolgern den Garaus zu machen.

Ein klug gegrabener Tunnel, ein kleiner Schubs oder ein Schritt zur Seite genügen, um eine ganze Steinlawine auf die Monster loszulassen. Wer die richtige Spezies erwischt, wird damit belohnt, dass sich das Wesen in einen oder mehrere Diamanten verwandelt. Seine wahre Stärke offenbart das Spiel in der Kombination aus Geschicklichkeit und Strategie.

Denn viele Level lassen sich nur dadurch lösen, indem man den Weg durch die Steine so plant, dass der Rückweg nicht verbaut wird. Auch die Monster wollen oftmals geschickt in die Falle gelockt werden, um sich in wichtige Diamanten zu verwandeln. Schließlich sorgen auch durchlässige Mauern, die Steine in Diamanten verwandeln, für zusätzliche Abwechslung. Dumm nur, dass dabei auch die umgekehrte Verwandlung passiert, das heißt, es gilt genau zu planen, was man durch diese Mauern stürzen lässt und damit verwandelt.

Auf Grund des großen Erfolges von BoulderDash folgten sehr schnell Umsetzungen für den C64, den Amstrad CPC und allen anderen wichtigen 8-Bit-Computer. Schon bald wurde die Serie durch weitere Titel fortgesetzt. Eine Übersicht der Erfolgsgeschichte finden Sie im Kasten »Die Rockford-Story«. Für den Amiga gab es mit »Emerald Mine« zwar einen erstklassigen Clone, doch die erste Version des Originals wurde offiziell nie umgesetzt. Zwar gab es einige nette Freeware-Versuche, doch konnten diese die Qualität des Vorbildes nicht erreichen.

Auch für Amiga

Variantenreich:
BoulderDäsh erlaubt es, nahezu alle wichtigen Spielparameter zu verändern.

Doch nun gibt es die »Rettung« für alle Amiga-Fans, die gleichzeitig BoulderDash-Veteranen sind. Mit »BoulderDäsh« liegt erstmals eine Umsetzung vor, die das Original nahezu 1:1 auf unseren Computer überträgt ­ und noch viele weitere Features bietet. Denn BoulderDäsh ist ein ganzes Paket aus Spiel, Level-Editor und vielen Zusatzfunktionen. Zusätzlich gibt es bereits eine große Auswahl an fertigen Levels und Grafik-Sets. Diese bieten fast alle offiziellen BoulderDash-Spiele ebenso wie eine Unzahl an kreativen Levels von verschiedenen Amiga-Usern. Mittlerweile ist das Gesamtarchiv mit allen Levels und Grafiken auf über 5 MByte angewachsen.Weiteren Nachschub gibt es auf verschiedenen BoulderDash-Internetseiten.

Das Spiel selbst bietet zunächst echtes BoulderDash-Feeling. Die Grafik wurde ebenso übernommen wie der Sound. Trotz der größeren Auflösung, die der Amiga bieten würde, wurde auf eine Ausweitung des sichtbaren Level-Ausschnittes verzichtet. Somit können die Levels haargenau wie im Original gespielt werden. Selbst die nervösen Fuß-Tapser von Rockford, wenn dieser einige Zeit steht, sind als Animation übernommen worden.

Entsprechend groß ist die Freude, die das Spielen des Klassikers macht. Alte Veteranen werden sich sofort zu Hause fühlen und im Blindflug die ersten Levels durchspielen. Ob gewollt oder nicht, bei der Umsetzung ist sogar die manchmal etwas hakelige Steuerung erhalten geblieben, die daraus resultiert, dass die Figur immer nur feldweise bewegt werden kann. BoulderDäsh gibt sich äußerst bescheiden und systemkonform. So läuft das Spiel auch auf einem Ur-Amiga mit 68.000-Prozessor in der Originalgeschwindigkeit.

Moderne Geräte werden samt Grafik- und Soundkarte unterstützt. Sogar unter dem WinUAE-Emulator funktioniert das Spiel. Allerdings sollte man bei diesem die Sound-Emulation einschalten, da BoulderDäsh sonst teilweise beim Start abstürzt.

Das Multitalent

Nostalgie:
Der erste Level von BoulderDash ­ hier die Original-Nachbildung auf dem Amiga.

Neben dem eigentlichen Spiel bietet BoulderDäsh wie schon erwähnt eine Unzahl an Konfigurationsmöglichkeiten. So lassen sich die gesamten Spielgrafiken austauschen und nach eigenen Wünschen gestalten. Das gilt auch für die Musikuntermalung, für die sich der Spieler sogar eigene Playlisten zusammenstellen kann. Auch die Anzahl der Leben und die Namen der Spieler können frei bestimmt werden. BoulderDäsh ist somit in jeder Hinsicht frei konfigurierbar. Die Einstellungen lassen sich in beliebiger Form kombinieren. Somit können auch die Levels im Weltall-Design gespielt werden. Entsprechende Grafik-Sets stehen bereits fertig zur Verfügung.

Ein besonderer Leckerbissen ist der Level-Editor. Mit ihm kann der BoulderDash-Fan seine eigenen Herausforderungen erstellen. Alle Spielelemente stehen auf Mausklick zur Verfügung und lassen sich beliebig anordnen. Wer noch seine alten »BoulderDash Construction-Kit«-Dateien aus C64- oder Atari400/800-Zeiten aufbewahrt hat, kann diese sogar direkt in den Editor laden. Die Bedienung ist dabei äußerst einfach und nach kurzer Einarbeitung kann man sich voll auf das eigentliche Level-Design konzentrieren.

Echte Profis haben sogar die Möglichkeit, ihr eigenes Spiel aufzuzeichnen, um es später zu analysieren oder als Hilfestellung für andere Fans zur Verfügung zu stellen. Natürlich dürfen auch die Highscore-Listen nicht fehlen, in der sich die BoulderDash-Veteranen verewigen. Alle diese Zusatz-Features sind zwar schön, doch den wahren Reiz bezieht BoulderDäsh auch weiterhin auf Grund seines klassischen Spielprinzips. Und wer erst einmal (wieder) dem Rockford-Virus verfallen ist, kann sich nicht so schnell wieder losreißen.

Die Motivation, doch noch einen sicheren Weg durch ein Level zu finden, holt den Spieler immer wieder vor den Amiga. Und wenn die Nächte im Sommer kurz sind ­ mit BoulderDäsh werden sie noch kürzer.

Die Rockford-Story
Das Licht der Welt erblickte Rockford 1984 in der Atari400/800-Version von BoulderDäsh. Zeitgleich war auch eine IBM-PC-Version verfügbar, die jedoch eher ein Schattendasein fristete. Ungleich größeren Erfolg hatten die Umsetzungen für den C64 und den Apple II und sogar für die heute antike Videokonsole Colecovision wurde der Ur-Rockford umgesetzt. Später folgten auch noch Versionen für den Schneider CPC und den Spectrum, womit das Spiel für fast alle wichtigen 8-Bit-Homecomputer der damaligen Zeit verfügbar war.

Angetrieben vom großen Erfolg wurde in rascher Folge die Fortsetzung"BoulderDash II - Rockfords Revenge" auf den Markt gebracht, die ebenso erfolgreich war. Schließlich folgte 1986 eine Compilation, die beide Titel enthielt und als "Super BoulderDash" vermarktet wurde. Parallel dazu fand Rockford 1985 auch den Weg in die Spielhallen, der entsprechende Automat war kurzzeitig ein großer Erfolg. Insgesamt sollten noch drei weitere Automatenumsetzungen folgen.

Einer dieser Spielautomaten basierte sogar auf einer Amiga-Version des BoulderDash-Sequels "Rockford". Dies war jedoch nicht der erste Auftritt des Buddel-Helden auf unserer "Freundin". Zuvor hatte er sich schon mit dem "BoulderDash Construction Kit" ein Stelldichein gegeben. Allerdings war zu dieser Zeit der BoulderDash-Stern bereits im Sinken und die neuen Titel konnten in puncto Level-Design nicht mehr an das Original heranreichen.

Am Amiga war darüber hinaus auch ein starker Konkurrent am Markt. "Emerald Mine" glänzte mit derselben Spielidee aber zeitgemäßer Grafik und vielen zusätzlichen Features, die den Geist des Ur-BoulderDash wieder aufleben ließen.

Eine neue Hochblüte erlebte Rockford in den 90er-Jahren. Die Umsetzungen für das NES und den GameBoy wurden zu wahren Verkaufsschlagern. Und auch heute sorgt BoulderDash noch für volle Kassen. Die Version für den GameBoy-Advance erfreut sich größter Beliebtheit und eine Version für SymbianOS soll dafür sorgen, dass auch auf Mobiltelefonen fleißig nach Diamanten gesucht wird.

lb


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Zuletzt aktualisiert am 25.8. 2003.