AMIGA-Magazin · Ausgabe 8/98 · Ratgeber

Aktuelles Heft 8/98

No Limit

Spätestens beim Einrichten einer Festplatte mit mehr als 4 GByte bekommt man erstmals die Grenzen des AmigaOS serviert. Doch Platten dieser Größe sind heutzutage für jeden erschwinglich und deshalb nichts außergewöhnliches. Wir zeigen, wie der Amiga zur Zeit mit den Gigabytes zurechtkommt.

von Jessica Fischer

Eine 3,5-Zoll-Festplatte mit EIDE-Anschluß und rund 6,4 GByte Kapazität ist heute schon für weniger als 400 Mark zu bekommen. Da das Betriebssystem des Amigas jedoch nur Festplatten bis 4 GByte verwalten kann, wollten wir wissen, wie sich eine Festplatte mit mehr als 4 GByte Kapazität dennoch ins System einbinden läßt.

Für unser Vorhaben nutzten wir die Festplatte »MPC3064AT« von »Fujitsu«. Mit einer Kapazität von rund 6,4 GByte bietet sie für die nächste Zeit ausreichend Platz. Wir haben sie am On-Board-EIDE-Anschluß eines Amiga 4000 aus der Produktion von »Commodore« angeschlossen. Dort wird sie als einzige Platte betrieben. Die Einstellung der Jumper erfolgte wie im beiliegenden Handbuch beschrieben auf »Master«. Das Ziel soll sein, eine Partition von rund 100 MByte für die Workbench und eine weitere Partition mit der restlichen Kapazität von etwas mehr als 6 GByte einzurichten. Um nervend lange Boot-Zeiten und ständige Diskettenwechsel zu umgehen, nutzten wir eine Festplatte mit 420 MByte am separaten »Buddha-Contoller« zum Booten. Der darauf installierte Internet-Zugang erwies sich außerdem als Vorteil. Fehlende Programme waren so schnell beschafft.

Schwächen der HDToolBox

Nach dem Einschalten des Amigas bootete dieser wie gewohnt. Um die neue Festplatte für das Amiga-System einzurichten, muß zuerst das Programm »HDToolBox« gestartet werden. Es erkennt nach kurzer Zeit die neue Festplatte und markiert diese zunächst als »Unknown« ­ unbekannt. Ein Klick auf »Change Drive Type« öffnet ein weiteres Fenster, in dem Sie den Schalter »Define New...« anklicken. Ein weiteres Fenster erscheint am Bildschirm. Die vorgegebenen Parameter interessieren uns nicht. Klicken Sie auf »Read Configuration«, um die Parameter unserer neuen Festplatte automatisch zu übernehen. Alle Parameter werden korrekt ausgelesen und in die entsprechenden Felder eingetragen.

Suchen der Festplatte: Ohne Probleme erkennt die HDToolBox nach kurzer Zeit, daß eine Festplatte angeschlossen ist

Parameter: Erst nachdem der Schalter »Read Configuration«angeklickt wird, stimmen die Festplattenparameter

An dieser Stelle macht das Programm jedoch schon den ersten Fehler. Die berechnete Kapazität ist ein Wert, der mit negativem Vorzeichen behaftet ist. In unserem Fall werden dann aus etwa 6,4 GByte »-2052855 KByte« berechnet, was für die Praxis absurd ist. Wird das Fenster mit »OK« geschlossen und anschließend der Punkt »Partition Drive« aufgerufen, kann man die Grenze der möglichen maximalen Partition genau austesten. Wird die Partitionsgrenze von 4096 MByte überschritten, gibt das Programm die Partitionsgröße wieder von 0 an. Aus unseren 6,4 GByte werden dann 2090 MByte. Die HDToolBox ist demnach mit unserer Festplatte überfordert, so daß eine andere Lösung gefunden werden mußte.

Hilfsprogramme und Patches

Glücklicherweise wird das Betriebssystem auch für den Amiga weiterentwickelt. Die Probleme, die der Amiga mit der neuen Hardware hat, sind seit längerem bekannt und werden zunächst Schritt für Schritt mit Hilfsprogrammen und Patches behoben. Bleibt zu hoffen, daß es nun doch bald ein überarbeitetes Betriebssystem gibt und daß neuere Boards ähnlich wie PC-Boards mit Flash-ROMs für ein schnelles und unkompliziertes Update des Betriebssystems bestückt sind.

Diese Programme brauchen Sie

BezeichnungQuelleVerwendugszweck
ffstd64.lhahttp://www.elaborate-bytes.comUpdate des
Aminet-Verzeichnis: »disc/misc«»FastFileSystems«
SCSI_IDE43_23.lhahttp://www.amiga.deUpdate des »scsi.device«
Aminet-Verzeichnis: »util/sys«
Format64.lhaAminet-Verzeichnis: »disc/misc«neuer Format-Befehl
hdinst.lhahttp://www.elaborate-bytes.comErsatz für die
Aminet-Verzeichnis: »disc/misc«»HDToolBox«

Das neue scsi.device

Unglaubwürdig: Die Angabe derFestplattenkapazität ist mit negativen Vorzeichen behaftet und so nicht zu gebrauchen

Hürde: Ab 4096 MByte kommt für Commodores HDToolBox die erste Hürde und aus 6,4 MByte werden 2090 MByte

Geräte am On-Board-EIDE-Anschluß des Amiga werden mit dem »scsi.device« angesprochen. Das noch aus Commodore-Zeiten stammende Device ist allerdings veraltet und muß zunächst auf die derzeit aktuelle Version 43.23 »gepatcht« werden. Den Patch »SCSI_IDE43_23.lha« finden Sie im Internet auf der Seite http://www.amiga.de oder im Aminet-Verzeichnis »util/sys«.

  1. Entpacken Sie das Verzeichnis »SCSI_IDE43_ 23.lha«.
  2. Kopieren Sie die Datei »LoadV43Module« und das für den entsprechenden Amiga gültige Modul ins Verzeichnis »C« der Bootpartition. Welches Modul für welchen Amiga gilt, finden Sie in der Anleitung zum Patch. Trotz englischer Beschreibung ist die Zuordnung sehr leicht zu finden. Für unseren Amiga ist das Modul »a1000.ld.strip« das richtige.
  3. Editieren Sie die Datei »startup-sequence« im Verzeichnis »S«. Die folgende Befehlszeile ist ein Beispiel und gilt nur für unseren Amiga 4000. Sie wird als erste Zeile, aber auf jeden Fall vor dem Befehl »SetPatch« in der startup-sequence eingetippt.

    C:loadV43module >NIL: 
    C:a1000.ld.strip REBOOT 
    

  1. Speichern Sie die Änderung und booten Sie den Amiga neu.
  2. Öffnen Sie eine Shell und geben Sie ein:

    Version scsi.device
    

    Als Antwort muß nun erscheinen:

    scsi.device 43.23

    Damit ist das scsi.device auf den derzeit aktuellsten Stand.

Das aktuelle FastFileSystem

Nun wird das »FastFileSystem« auf den neuesten Stand gebracht. Aktuell ist derzeit die Version 44.1. Prüfen Sie zunächst, welche Version Sie auf Ihrem Amiga haben. Das geschieht beispielsweise mit dem Befehl »Version« in einer Shell oder mit einem DOS-Tool. Ohne das Update wird das entweder die Version 40.1 oder 40.4 sein.

Sollten Sie eine Version besitzen, die eine andere oder gar keine Nummer anzeigt, kopieren Sie einfach die Datei »FastFileSystem« aus dem Verzeichnis »L« der Betriebssystemdiskette mit der Bezeichnung »Install« ins Verzeichnis »L« der aktuellen Bootpartition.

Die aktuellste Version des »FastFileSystem« finden Sie ebenfalls im Internet. Besorgen Sie sich das Verzeichnis »ffstd64.lha« von der Homepage der Firma »Elaborate Bytes« http://www.elaborate-bytes.com oder aus dem Aminet-Verzeichnis »disk/misc«. Die Installation geht so:

  1. Entpacken Sie das Verzeichnis »ffstd64.lha«.
  2. Öffnen Sie eine Shell und wechseln Sie in die Schublade, in der sich das entpackte Verzeichnis »ffstd64.lha« befindet.
  3. Wenn das alte »FastFileSystem« die Versionsnummer 40.1 besitzt, lassen Sie diesen Punkt aus und machen statt dessen bei Punkt 4 weiter. Geben Sie folgende Zeile ein:

    spatch -ol:fastfilesystem_44_1 ­pfastfilesystem_40.4.patch l:fastfilesystem 
    

    Machen Sie jetzt bei Punkt 5 weiter.

  4. Um die Versionsnummer 40.1 zu patchen, geben Sie ein:

    spatch -ol:fastfilesystem_44_1 ­pfastfilesystem_40.1.patch l:fastfilesystem 
    


  5. Im Verzeichnis »L« der Bootpartition befindet sich nun die Datei » fastfilesystem_44_1«. Sie können der alten Datei im Verzeichnis »L« nun einen anderen Namen geben oder sie löschen und die neue Datei in »FastFileSystem« umbenennen.

Mit dieser Aktion sollte laut Anleitung zusätzlich auch der DOS-Befehl »Info« gepatcht werden. Das hat allerdings bei uns nicht geklappt und wird sich später auch negativ auswirken. Die Festplattengröße wird dadurch weiterhin falsch angezeigt, obwohl sie richtig verwaltet wird. Über eine Lösung dieses Problems werden wir in einer der nächsten Ausgaben berichten.

HDToolBox ade

Auch »Commodores« »HDToolBox« hat ausgedient. Den Grund konnten Sie ja weiter oben schon erkennen. Die neue Version heißt »HDInstTools« und ist im Archiv »hdinst.lha« auf der Homepage http://www.elaborate-bytes.com oder im Aminet-Verzeichnis »disk/misc« zu finden.

Fehlerfrei: Sofort nach dem Start des Programms »HDInstTools« erkennt es die Festplatte mit der richtigen Kapazität

FileSystem: Die neue Datei »FastFileSystem« wird für die Festplatte per Mausklick gewählt und später gesichert

Partitionierung: Die gesamte Kapazität der Festplatte teilen wir in zwei Partitionen für Workbench und Work

Entpacken Sie das Archiv und installieren Sie das neue Festplatten-Tool in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Wir empfehlen: »Sys:Tools/Commodities«. Der Funktionsumfang dieses Tools steht der alten »HDToolBox« in nichts nach. Zusätzlich enthält es so gar noch eine Reihe weiterer nützlicher Funktionen, die in der Anleitung ausführlich erläutert sind. Einziger Wermutsropfen: Die Beschreibung liegt leider nur in englischer Sprache bei. Die Sprache der Bedienführung dagegen kann eingestellt werden und ist in deutscher Sprache verfügbar.

In den ToolTypes von »HDInstTools« lassen sich einige Parameter einstellen. Darunter auch das zu verwendende Device. Falls kein Device vorgegeben wird, sucht das Programm automatisch nach angeschlossenen Geräten am »scsi.device«. Wenn Sie ein anderes Device verwenden, tragen Sie zuerst die richtige Bezeichnung ein.

  1. Starten Sie das Programm »HDInstTools«. Das vorgegebene Device ­ in unserem Fall das »scsi.device« ­ wird auf angeschlossene Geräte abgefragt und das Ergebnis angezeigt.
  2. Klicken Sie zunächst auf »Dateisystem« und dann auf »Hinzufügen...«, um das neue »FastFileSystem« auf dieser Platte zu installieren. Ist bereits das alte »FastFileSystem« installiert, klicken Sie auf den Schalter »Erneuern...«. Wählen Sie im Requester das neue »FastFileSystem« und übernehmen Sie es mit Klick auf »Laden«.
  3. Wählen Sie nun den Punkt »Teilungen einrichten«, wenn die Platte in mehrere Partitionen eingeteilt werden soll. Wir haben unsere Festplatte in zwei Partitionen eingeteilt. Die größere der beiden gibt das Programm mit 6088 MByte an.
  4. Nachdem alle Werte Ihren Vorstellungen entsprechen, erscheint die Oberfläche des Startfensters am Bildschirm. Sichern Sie die Parameter mit Klick auf »Änderungen auf Platte sichern«. Der Rechner muß nun neu gebootet werden. Anschließend erscheint für jede Partition ein Festplatten-Piktogramm auf der Workbench.

Formatieren der neuen Festplatte

Im letzten Schritt muß die Festplatte noch formatiert werden. Statt des alten Format-Befehls des AmigaOS erledigen Sie das mit dem Programm »HDInstTools« im Punkt »DOS formatieren...«. Alternativ gibt es einen neuen Format-Befehl »Format64«. Das Programm ist im Aminet im Verzeichnis »disk/misc« zu finden. Das Archiv heißt »Format64.lha«. Wird der Befehl im CLI verwendet, gelten die gleichen Optionen des originalen Format-Befehls. »Format64« testet allerdings vor Beginn der Formatierung, ob das aktuelle »scsi.device« installiert ist. Findet es das alte Device, funktioniert es genau wie der alte Format-Befehl und unterstützt keine Partitionen größer 4 GByte.

Fazit: Um eine Festplatte mit mehr als 4 GByte im Amiga zu installieren, erscheint der Aufwand sehr hoch. Das Ergebnis war dennoch nicht 100prozentig zufriedenstellend und zeigt wiederholt die Dringlichkeit einer neuen Betriebssystem-Version. Zwar wurde unsere Festplatte richtig eingerichtet und formatiert, doch sämtliche DOS-Tools, List-, Dir- und Info-Befehle zeigten jenseits der 4-GByte-Grenze falsche Werte für die Festplattenkapazität. Ab hier muß man den Füllstand selber ausrechnen. Um das zu umgehen, bliebe nur die Einteilung in entsprechend vielen Partitionen mit maximal 4 GByte je Partition.

lb


 Hauptseite

© 1998 All Rights Reserved. Alle Rechte vorbehalten Franzis' Verlag GmbH
Veröffentlichung und Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags


Kommentare, Fragen, Korrekturen und Kritik bitte an Webmaster AMIGA schicken.
Zuletzt aktualisiert am 4. Juni 1998