AMIGA-Magazin · Workshop: PGP 5 für den Amiga

Aktuelles Heft 7/98

Geheimsache

Soll der Inhalt von E-Mails im Internet nicht einem offenen Buch gleichen, tut man gut daran, diese vor dem Versand elektronisch zu verschlüsseln. PGP sorgt dafür, daß dies auch wirksam geschieht.

von Christian Krenner
Schematisch: Auf diese Art und Weise läßt sich das Public-Key-Prinzip vereinfacht bildlich darstellen
Wechselbad: Neue PGP-Version für Amiga
Wer bereits PGP 2.6.3 im Einsatz hat, möchte dessen Konfiguration, vor allem aber auch die bereits in Gebrauch befindlichen Keyrings, auch unter PGP 5.1 einsetzen. Der Weg dazu ist recht einfach. Folgende Dateien aus dem PGP 2.6.3-Verzeichnis sind dazu lediglich in den Ordner von PGP 5.1 zu kopieren und entsprechend umzubenennen:
PGP 2.6.3PGP 5.1
config.txtpgp.cfg
pubring.pgppubring.pkr
secring.pgpsecring.skr
Keine Frage im Bereich des Postwesens: Wer persönliche Dinge per Post verschickt, packt diese zumindest in einen Umschlag, um sie vor neugierigen Blicken von Postboten zu schützen. Im Internet ist die Laxheit größer: Obwohl allgemein bekannt ist, daß E-Mails auf ihrem Wege zum Empfänger von jedem eingesehen werden können, werden diese in der Regel unverschlüsselt verschickt. Die scheinbare Undurchsichtigkeit der Mechanismen im Internet wird als Garant für eine Sicherheit genommen, die gar nicht existiert. Daß das so ist, wird schmerzlich bewußt, wenn plötzlich überraschend an den Inhalt vorhergehender Mails angepaßte Werbemails eintreffen oder sogar sensible Daten mißbraucht werden.

Es liegt also nahe, E-Mails nur noch in verschlüsselter Form auf den Weg zu schicken. Wer von »Verschlüsselung« spricht, denkt dabei meist an die »althergebrachte« Kodierung mit Hilfe eines Kennworts. Kennen nur Sender und Empfänger das Kennwort, sind auch nur sie in der Lage, den verschlüsselten Text wieder zu entschlüsseln, vorausgesetzt der Verschlüsselungsalgorithmus ist nicht zu trivial. Ziel dieser als »symmetrisch« bezeichneten Kryptoverfahren ist daher, die Dauer eines »brute force«-Angriffs, also der Ermittlung eines nicht bekannten Schlüssels mit Hilfe extremer Rechenleistung, möglichst hoch werden zu lassen. Daß das durchaus gelingt, beweisen moderne symmetrische Kryptoverfahren, deren mittlere »Knackdauer« bei heutiger Rechenleistung im Bereich mehrerer Millionen Jahre liegen kann ­ vorausgesetzt der Schlüssel ist sinnvoll gewählt (der Name der Freundin oder des Hundes gelten als nicht sinnvoll) und wird nicht bei der Übertragung an den Empfänger abgefangen. Denn genau hier liegt die Schwäche: Welcher Weg ist sicher, um dem Empfänger den (evtl. öfter geänderten) Schlüssel mitzuteilen?

Geschichte
Die Schwächen symmetrischer Kryptoverfahren versuchten Whitfield Diffie und Martin Hellman 1976 mit der Veröffentlichung des »Public-Key-Verfahrens« aus der Welt zu schaffen. Die Idee des neuen Ansatzes: Anstelle eines einzelnen Schlüssels wird ein Schlüsselpaar verwendet, das aus einem »privaten« und einem »öffentlichen« Schlüssel besteht. Ein komplexes mathematisches Verfahren sorgt dafür, daß eine mit dem frei verteilbaren öffentlichen Schlüssel (»Public Key«) kodierte Nachricht nur mit dem dazu passenden und geheimen Private Key entschlüsselt werden kann. Möchte man eine Nachricht an den Empfänger schicken, braucht man nichts weiter zu tun, als diese mit dessen öffentlichen Schlüssel zu kodieren und an ihn zu senden. Nur mit dem passenden geheimen Schlüssel kann die Nachricht wieder entschlüsselt werden, so daß Bösewichte mit abgefangenen Mails zunächst überhaupt nichts anfangen können.

Doch die aus der Idee der Teilung in öffentlichen und privaten Schlüssel entstehenden Möglichkeiten gehen noch weiter: So erlaubt das Public-Key-Verfahren auch, Nachrichten digital zu »unterschreiben«. Dabei wird mit Hilfe des privaten Schlüssels und einer »Message Digest Function« eine Signatur fester Länge erstellt. Mit Hilfe dieses »Destilats« der Ursprungsmail und des passenden Private Keys kann der Inhalt der Nachricht eindeutig auf seine Originalität überprüft werden. Hängt man diese Signatur an die Mail an, ist eine Änderung der Nachricht ausgeschlossen. Das gilt auch, wenn die Nachricht selbst nicht mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers kodiert wird.

Zu guter Letzt ist es auch möglich, Schlüssel zu signieren. Ein dabei entstehendes »Zertifikat« bestätigt die Echtheit einen Schlüssels. Denn obwohl öffentliche Schlüssel frei an Empfänger weitergegeben werden können, ist doch sicherzustellen, daß auch der Original-Schlüssel ankommt. »Schaltet« sich ein böswilliger Dritter zwischen die beiden Kommunikationspartner, so ist dieser in der Lage, sich nach beiden Seiten als der vermeintliche Empfänger auszugeben, wenn er seinen Public Key nach beiden Seiten als den des Empfängers weitergibt.

Seinen eigenen Public Key sollte man also auch signieren. Richtigen Schutz bieten Zertifikate jedoch erst, wenn vertrauenswürdige Dritte das Zertifikat ausstellen, sprich den Schlüssel signieren. Kennt der Empfänger eines öffentlichen Schlüssels weder den Absender noch den Signierenden, kann er sich keineswegs sicher sein, auch wirklich den Schlüssel desjenigen vor sich liegen zu haben, der letztendlich vorgibt, der Schlüsselbesitzer zu sein. Signiert jedoch ein bekannter Dritter den Schlüssel, der wiederum den Schlüsselbesitzer kennt und diesem vertraut, zertifiziert die Signatur des Dritten den Schlüssel als vertrauenswürdig. Kompliziert? Eigentlich nicht ­ die Abbildung »Schematisch« zeigt das ganze noch einmal.

Algorithmenchor
Die neue Version 5 von PGP bringt nicht nur einen Wechsel der Kryptoalgorithmen mit sich, sie stellt den Anwender auch vor die Qual der Wahl, welche Algorithmen er für synchrone und asynchrone Verschlüsselung benutzen möchte. Lesen Sie hier eine kurze Vorstellung der Kandidaten.

DES:
Der von IBM in den 70er Jahren entwickelte DES (Data Encryption Standard) Algorithmus galt lange Zeit als sehr sicher. Mit nur 56 Bit Schlüssellänge ist DES heute aber »knackbar«. Triple-DES verwendet deshalb drei unterschiedliche Keys dreimal an, so daß die effektive Schlüssellänge auf 168 Bit »aufgebohrt« wird. Dennoch sollte bei der Verwendung von Triple-DES Vorsicht geboten sein.

IDEA:
Der »International Data Encryption Algorithm« arbeitet mit einem 128-Bit-Schlüsel und wurde von Anfang an in PGP verwendet. IDEA ist sehr gut untersucht und gilt als äußerst resistent gegenüber allen Angriffen der Kryptoanalyse. Jedoch besitzt die Firma Ascom Systec eine Lizenz an diesem Algorithmus.

CAST:
..ist der neue Standardalgorithus von PGP 5 für die symmetrische Verschlüsselung. Der lizenzfreie Algorithmus arbeitet wie IDEA mit 128 Bit Schlüssellänge, ist auf Grund seines jungen Alters jedoch noch nicht so gut untersucht wie IDEA. Dennoch gilt CAST als extrem sicher.

RSA:
RSA ist das womöglich bekannteste asymmetrische Schlüsselverfahren. Es wurde 1978 entwickelt und gilt noch heute als extrem sicher, obwohl momentan verstärkt versucht wird, RSA zu knacken. RSA war bis zu Version 5 der einzige asymmetrische Algorithmus von PGP. Er läßt sich auch unter PGP 5 verwenden, aber nur in Kombination mit IDEA.

DSS/DH:
DSS/Diffie Hellman ist eine Algorithmenkombination (genauer gesagt eine Variante, die unter dem Namen »ElGamal«-Kryptosystem bekannt ist), die in PGP 5 den Platz von RSA übernimmt. DSS (Digital Signature Standard) wurde vom National Institue of Standards and Technology (NIST) im Rahmen des »Capstone« Projektes der US-Regierung entwickelt. DSS ist ein reiner Signaturalgorithmus. Die Verschlüsselung hingegen übernimmt ein an das von Diffie Hellman entwickelte Key Exchange Protocol angelehnter Algorithmus.

Echtheit
Der Vorteil der Zertifizierung von Schlüsseln auf diese Weise ist, daß sich recht schnell »Vertrauensnetze« bilden, die die Vertrauenswürdigkeit der öffentlichen Schlüssel, wenn auch über mehrere Signierstufen bestätigen. Gleichzeitig haben sich jedoch »Zertifizierungsinstanzen« gebildet, Organisationen, die als solche vertrauenswürdig sind und Schlüssel durch Signatur zertifizieren. Diese »Certificate Authorities« oder kurz »CAs« lassen dabei große Vorsicht walten: Ohne persönliche Unterschrift und Lichtbildnachweis werden Schlüssel meist nicht zertifiziert. Ist das doch der Fall, stellt sich die Frage nach der Vertrauenswürdigkeit der CA selbst. Dafür sind Schlüssel, die von CAs zertifiziert werden, automatisch für zahlreiche Benutzer vertrauenswürdig. Das gilt umso mehr, als CAs sich gegenseitig zertifizieren.
Komfortabel: Amiga-Mailer kommen mit PGP 5.0 noch nicht zurecht ­ PGPGUI erlaubt aber leichtes Handling

Die Denkweise, die Public-Key-Systeme erfordern, ist zweifelsohne anders und auf den ersten Blick komplexer, als die üblichen »Paßwortcodiermethoden«. Wer sich einige Zeit damit beschäftigt, hat die Denke jedoch schnell heraus. Diese Anfangsmühen machen sich auf alle Fälle bezahlt, denn Public-Key-Verfahren besitzen zwar systembedingt einige Schwächen, doch sind diese wesentlich unkritischer als jene symmetrischer Kryptoverfahren.

Eines der bekanntesten Public-Key-Systeme ist zweifelsohne »Pretty Good Privacy« (PGP) von Philip Zimmerman. Das Produkt kam dabei weniger durch seine sehr hohe Leistungsfähigkeit als vielmehr durch die Schlagzeilen zu Bekanntheit, die sich um Philip Zimmerman rankten. In den USA, wo PGP entwickelt wurde, gelten sehr starke Kryptoverfahren als Rüstungsgut und unterliegen einem Exportverbot. Auf diese Weise versucht die US-Regierung, die Gefahr von Spionageaktivitäten auf der Basis verschlüsselter Nachrichten zu unterbinden und erkauft sich dies mit dem Ausspionieren von Nachrichten nicht nur durch Regierungsbehörden. Prompt kamen die Mühlen der US-Justiz gegen Phil Zimmerman in Gang, was widerum zu regelrechten Proteststürmen der Internetgemeinde führte. Heute wird PGP in Quelltextform auf Papier »exportiert« und von Stale Schumacher neu eingegeben und kompiliert. Ein Aufwand, der sich lohnt, denn PGP scheint zum Standard im Bereich der Verschlüsselung von E-Mails zu werden.

PGP aktuell

Unsicher: So sieht die Original-Mail aus ­ ein offenes Buch für alle Bösewichte und Spione im Netz
PGP hat sich über die Jahre seiner Entwicklung sehr gemausert. Bis zur Version 2.6.3 war bei dieser Entwicklung auch der Amiga mit von der Partie und es gibt zahlreiche Mailer, die mit sauberer PGP-Integrierung aufwarten können. Doch nach Veröffentlichung der Version 2.6.3 wurde es ruhig um PGP. Erst vor kur-zem erschien überraschend die neue Version 5.0, die neben einer grafischen Benutzeroberfläche für die Systeme Windows 95/NT und Macintosh zusätzlich über neue, als sicherer geltende Kryptoalgorithmen verfügt. Auch für den Amiga ist diese neue Version zu haben, allerdings als direkte Portierung der spartanischen UNIX-Version, die rein über die Kommandozeile zu bedienen ist. Der Leistungsfähigkeit tut dies jedoch keinen Abbruch.

Auf geht`s: Installation PGP 5.1 für Amiga
Bevor sich PGP 5.1 benutzen läßt, sind einige Schritte per Hand durchzuführen. Beachten Sie dabei, daß PGP ab Version 5.1 zwingend die »ixemul.library« sowie die »ixnet.library« in der Version 47.2 oder höher benötigt. Diese erhalten Sie im Aminet im Verzeichnis »util/libs«.
  • Entpacken Sie das PGP-Archiv in ein Verzeichnis auf Ihrer Festplatte oder in die RAM-Disk.
  • Fertigen Sie zwei Kopien der Datei »PGPE« an und benennen Sie eine davon »PGPV« und »PGPS«. Kopieren Sie die Dateien physikalisch! Softlinks funktionieren mit der aktuellen Version des Amiga-OS nicht. Der beste Platz für die drei Dateien ist der Ordner »C:« oder jeder andere Platz im Suchpfad Ihres Systems.
  • Legen Sie einen Ordner »PGP« an einem geeigneten Platz auf Ihrer Festplatte an. Richten Sie ein logisches Laufwerk »PGP:« ein, das auf dieses Verzeichnis zeigt ­ sinnvollerweise fügen Sie die entsprechende Assign-Anweisung in Ihre »User-Startup« ein.
  • Kopieren Sie die Dateien »language50.txt« und »pgp.cfg« in das neue Laufwerk »PGP:«. Die Datei »language50.txt« des Originalarchivs von PGP ist leider fehlerhaft. Im Archiv »lang50fix.lha« finden Sie eine korrigierte Version.
  • Innerhalb des Laufwerks PGP: erstellen Sie ein Unterverzeichnis »Keys50«. Dort werden später Ihre Keyrings gespeichert.
  • Definieren Sie eine globale Umgebungsvariable »PGPPATH«, die auf das logische Laufwerk verweist: SetEnv PGPPATH PGP: Copy ENV:PGPPATH ENVARC:
Die gerade aktuelle Version 5.53 von PGP existiert leider nur für Rechner mit Windows 95/NT oder MacOS. Für den Amiga ist PGP 5.1 (entspricht der UNIX-Version 5.0i) die aktuellste Version und bei dieser fehlt wie der UNIX-Version die grafische Benutzeroberfläche. Ansonsten leistet PGP 5.1 für den Amiga alles, was man für einen vollwertigen Einsatz braucht. Allerdings handelt es sich bei PGP 5.1 für den Amiga nicht mehr um eine saubere Portierung, sondern mehr oder weniger um die originale UNIX-Version, die mit Hilfe der »ixemul-library« auf dem Amiga lauffähig gemacht wurde. Das wirkt sich negativ auf Ressourcenverbrauch und Arbeitsgeschwindigkeit aus. Während PGP 2.6.3 noch mit langsamen Amigas und einigen hundert KByte Arbeitsspeicher zufrieden war, sollten es bei PGP 5.1 zumindest ein schneller 68030-Amiga sowie vier MByte Hauptspeicher sein, die zusätzlich zu dem, was der Mailer verbraucht, veranschlagt werden müssen.

Neben der Benutzeroberfläche war die tiefgreifendste Änderung der PGP Version 5.0 die Einführung neuer Kryptoalgorithmen für symmetrische und asymmetrische Verschlüsselung. Aufgrund des hohen Rechenaufwandes für asynchrone Verschlüsselung geht PGP zugunsten der Performance einen Kompromiß ein: Nicht die ganze Mail wird asynchron verschlüsselt, sondern lediglich ein intern generierter »Session Key«, der wiederum für die synchrone Verschlüsselung des eigentlichen Nachrichtentextes benutzt wird und dessen sichere Übertragung zum Empfänger gewährleistet werden muß. Während PGP 2.6.x sich hier auf »RSA« für die asynchrone und »IDEA« für die synchrone Verschlüsselung verläßt, wurden diese Algorithmen in PGP 5 durch neue ersetzt. Der Hintergrund dieser Maßnahme sind eher hypothetische Annahmen, die die an der »Unknackbarkeit« der in der Tat sehr sicherer Algorithmen zu rütteln versuchen. Auch läuft derzeit ein Versuch, mit Hilfe von über das Internet vernetzten Computern die Zeit zum Knacken von RSA-Schlüsseln (dem »schwachen Glied« von PGP) drastisch zu senken. Ob mit Erfolg, wird sich zeigen. Der Abwärtskompatibilität wegen kann PGP 5 auch weiterhin mit den alten Kryptoalgorithmen umgehen. Einen kurzen Überblick über die unter PGP 5 zu Verfügung stehenden und wählbaren Algorithmen gibt der Kasten »Algorithmenchor«.

Erste Schritte
Bereits bei der Installation von PGP merkt man diesem seine UNIX-Herkunft an. Ein Installer-Script gibt es nicht. Statt dessen ist es nötig, Kopien des Programms mit unterschiedlichen Namen zu erstellen sowie Umgebungsvariablen per Hand zu setzen. Im Kasten »Auf geht`s: Installation von PGP 5.1 für Amiga« lesen Sie, wie dies Schritt für Schritt erfolgt. Da PGP lediglich eine Textanleitung beiliegt, sollten Sie sich das Archiv »PGP5Guides. lha« besorgen, das die original MAN-Pages von PGP im AmigaGuide-Format enthält. Zu allem Überfluß wurden zusätzlich die Parameter im Vergleich zur alten Version 2.6.3 geändert und die Funktionalität von PGP ­ vormals in einem Programm vereint ­ auf drei Teilprogramme verteilt. Resultat ist, daß alle Mailer, die über eine enge Anbindung von PGP 2.6.3 bereits verfügen, mit PGP 5.1 zunächst überhaupt nicht zurande kommen. Allerdings gibt es für PGP 5 bereits eine MUI-basierte, grafische Benutzeroberfläche namens »PGP5GUI« (Bild »Komfortabel«), deren Einsatz sich deshalb sehr empfiehlt. Mit dieser läßt sich PGP 5.1 wesentlich einfacher und komfortabler bedienen. Sie findet sich auf der offiziellen Amiga-PGP 5-Seite von Stefan Zakarias (siehe Kasten »Links zu PGP«).

Schlüsselpaare
Die erste Aufgabe nach der Installation von PGP ist die Erstellung eines eigenen Schlüsselpaares, falls man ein solches noch nicht von der früheren Version besitzt. Ist dies der Fall, läßt es sich weiterverwenden. Wie, steht im Kasten »Wechselbad«.

Die Entwicklung eines neuen Schlüsselpaares erfolgt am einfachsten über PGPGUI, das in erster Linie das Parameterhandling abnimmt. PGPGUI besitzt dazu auf der Seite »Keys« die nötigen Schalter. Da PGP aber ein Shell-orientiertes Programm ist, das in der Kommandozeile interaktiv Eingaben erfordert, läßt sich nicht alles, was für bestimmte Aktionen nötig wäre, per Parameter übergeben. PGPGUI kann deshalb nur einige Angaben vor der Kommandozeile »retten« und öffnet deshalb ein Shell-Fenster, in dem sich PGP 5.1 persönlich zu Wort meldet.

Wunde Stellen
Trotz der Effizienz von PGP birgt auch dieser Meister der Verschlüsselung potentielle Gefahren. Doch gerade hier gilt: Wissen ist Macht, denn wer die Schwächen kennt, kann die Gefahren voraussehen. Lesen Sie deshalb im folgenden die wichtigsten Gefahren im Umgang mit PGP.

1. Verlust oder Diebstahl des Secret Keyrings.
Sollte der Secret Keyring abhanden kommen, bleibt eigentlich nur banges Hoffen, daß der gewählte Passphrase »standhält«. Zu kurze oder naheliegende Passphrases (der Name der Freundin oder des Hundes) sollten deshalb tabu sein. Am besten benutzt man auch wirklich einen Phrase, also einen ganzen Satz.

2. »Key
Tampering« Obwohl öffentliche Schlüssel beliebig vergeben werden können und auch sollen, verbirgt sich darin eine Gefahr. Denn wer garantiert denn, daß der empfangene Schlüssel auch wirklich dem vermeintlichen Sender gehört? Wird dieser durch den Public Key eines böswilligen Dritten getauscht, kann dieser Nachrichten an den Empfänger entschlüsseln, lesen und mit dem Public Key des Empfängers verschlüsselt unbemerkt weitersenden! Die Lösung heißt hier Signatur. Nur wenn Sie den Schlüssel direkt vom Empfänger (beispielsweise auf Disk) bekommen haben oder der Schlüssel die Signatur einer Person oder Organisation trägt, der Sie vertrauen, sollten Sie den Schlüssel auch benutzen.

3. Unvollständig gelöschte Files
Weniger PGP als vielmehr das AmigaOS birgt die Problematik »halb« gelöschter Dateien. Anstatt die Daten physikalisch zu löschen, erfolgt ein Löschvorgang in der Regel nur immerhalb der Verzeichnisstruktur.

Speichern Sie Ihren Private Key (evtl. sogar mit Passphrase) auf dem Computer und löschen diesen, kann dieser mit entsprechender Software (z.B. »AmiBackTools« oder »DiskX«) wiederhergestellt werden. Wechselmedien, die Sie mitnehmen können, sind sicherer und praktischer.

4. Kryptoanalyse
Kryptoverfahren wie PGP basieren auf schwer umkehrbaren, mathematischen Funktionen. Die Kryptoanalyse versucht, teils unter Einsatz massiver Computerpower, diese Funktionen immer schneller knacken zu können. Obwohl die in PGP verwendeten Algorithmen unter ständigem Beschuß der besten Kryptoanalytiker stehen und deshalb sehr gut erforscht sind, ist die Möglichkeit gegeben, daß irgendwann jemand schlauere Algorithmen findet. Daß aber beispielsweise die US-Regierung Atomraketen mit RSA-Schlüsseln schützt, wie sie auch in PGP zum Einsatz kommen, zeigt (hoffentlich) die Sicherheit dieser Verfahren.

5. Trojanische Pferde
Schließlich und endlich ist es noch denkbar, daß sich Programme mit dem Ziel, Passphrases in Erfahrung zu bringen, als PGP »ausgeben« und dessen Verhalten nachahmen. Das ist insbesondere gefährlich, da der Source-Code von PGP frei verfügbar ist und sich solche »hinterhältigen« PGP-Plagiate sehr leicht erstellen lassen. Darüber hinaus unterliegt PGP Problemen allgemeiner Art. So ist beispielsweise bekannt, daß Computer und Telefone als rein physikalischer Basis abgehört werden können. Oder aber der Absender verstellt seine Systemuhr beim signieren der Nachricht (als würde er bei handschriftlicher Signatur ein falsches Datum angeben). Hier gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht!

Zur Generierung Ihres persönliches Schlüsselpaares klicken Sie in PGPGUI im Register »Keys« auf »Misc« und dann auf »Generate Key Pair«. Alternativ können Sie PGP auch selbst in einer Kommandozeile anweisen, die Schlüsselgenerierung einzuleiten. Die wichtigsten Kommandozeilenparameter finden Sie im Kasten »Extreme PGPing«.

Extreme PGPing
Neben der Bedienung über PGPGUI läßt sich PGP 5 in alter UNIX-Manie auch über Kommandozeilenparameter bedienen. »pgpk« sorgt dabei für die Schlüsselverwaltung, »pgps« für die Signierung, »pgpe« für Verschlüsselung und »pgpv« für die Entschlüsselung und Überprüfung. Die wichtigsten Parameter:
pgpk:
 
-ggeneriert ein neues Schlüsselpaar
-a [keyfile]fügt den Inhalt von [keyfile] dem öffentlichen Keyring an
-c [userid]überprüft die Signatur aller Schlüssel (oder des zu [userid] gehörigen) und gibt Informa- tionen zu Vertrauens- und Gültigkeitsstatus
-e <userid>erlaubt, den Passphrase und die UserID des eigenen bzw. die Vertrauensstellung eines fremden Schlüssels zu bestimmen
-d <userid>aktiviert oder deaktiviert einen öffentlichen Schlüssel
-o <outfile>gibt eine Ausgabedatei an
-s <userid>signiert &60;userid&62;`s Public Key
-x <userid>extrahiert den angegebenen Public Key
pgpe: 
-asorgt für ein »EMail-sicheres« Format ohne Sonderzeichen
-cvollzieht eine rein symmetrische Verschlüsse- lung auf Basis von IDEA
-o<outfile> gibt eine Ausgabedatei an
-ssigniert und verschlüsselt
pgps: 
-asorgt für ein »EMail-sicheres« Format ohne Sonderzeichen
-berzeugt die Signatur in einer eigenen Datei
-o<outfile> gibt eine Ausgabedatei an pgpv:
-o<outfile> gibt eine Ausgabedatei an
Die wichtigste Eingabe für die Schlüsselgenerierung ist der »Passphrase«, der als praktisch letzte Barriere Ihren Private Keyring schützt. Er ist immer nötig, wenn der Private Key entweder zum Entschlüsseln empfangener oder Signieren zu sendender Mails benötigt wird. Sollten Sie Ihren Passphrase vergessen, ist keinerlei Zugriff auf Ihren eigenen Private Key mehr möglich! Gleichermaßen sollte der Passphrase aber schwer zu erraten sein. Anstelle des Namen des Freudes oder der Freundin empfiehlt es sich hier, durchaus einen langen Satz als Eingabe zu benutzen. Tippen Sie dabei die durchaus erlaubten Sondernzeichen oder eine uNGEwöHNlICHe Schreibweise, ist der Aufwand des Knackens des Passphrases noch höher.

Alle anderen Eingaben, die PGP von Ihnen erwartet sind selbsterklärend. In fast allen Fällen schlägt PGP bereits den sinnvollsten Wert vor (wie beispielsweise bei der Wahl der Kryptoalgorithmen). Die Wahl der Schlüssellänge überläßt PGP Ihnen. Hier sollte ein 1024-Bit-Schlüssel (Grad »Military«) reichen, auch wenn bis zu 3072 Bit möglich sind.

Sorgfalt sollten Sie bei der Eingabe Ihrer »User ID«, also Ihres Namens, unter dem Ihr PGP Public-Key identifiziert wird, walten lassen. Hier gibt es einen Standard, der zwar nicht erzwungen wird, von einigen CAs jedoch vorgeschrieben wird, möchte man seinen Schlüssel dort zertifizieren lassen. Die User-ID sollte sich deshalb immer aus vollem Namen und EMail-Adresse in Größer-/Kleinerzeichen zusammen setzen:
Joe Doe <user@domain.com>

Schließlich und endlich benötigt PGP eine Anzahl zufälliger Bits. Hierzu erwartet PGP eine Anzahl von Tastenanschlägen durch den User, aus deren stets unterschiedlicher Zwischenintervallen die Bits generiert werden.

Ignorieren sollten Sie das Angebot, Ihren neu generierten Public-Key auch gleich über das Internet an einen Key-Server (s. Kasten »Links zu PGP«) zu senden. Ab PGP 5.0 existiert diese Möglichkeit zwar, auf dem Amiga funktioniert diese jedoch nicht.

Die Schlüsselgenerierung dauert u.U. einige Zeit. Ist sie vollzogen, können Sie Ihren Public-Key auch sogleich begutachten. Dies geschieht, indem Sie ihn in eine Datei extrahieren. Das ist ohnehin nötig, schließlich müssen Sie Ihren öffentlichen Schlüssel an alle potentiellen Sender weitergeben. Zur Sicherheit signiert PGP den öffentlichen Schlüssel mit Ihrem privaten Schlüssel.

Schlüssel weiterzugeben ist eine heikle und problematische Sache. Das gilt umso mehr, wenn die Übergabe nicht persönlich erfolgen kann. Denn zum einen muß überhaupt ermöglicht werden, jedem potentiellen Sender den öffentlichen Schlüssel zur Verfügung zu stellen. Zum anderen sollte aber niemand in der Lage sein, einen fremden Key unter falschem Namen einzuschleusen (s. Kasten »Wunde Stellen«).
Signiert: Trägt die Mail eine digitale Unterschrift, ist zumindest ein Verändern des Inhaltes durch Dritte ausgeschlossen

Die Verteilung von Keys kann auf vielerlei Weisen geschehen. Üblich ist, den Public Key an Mails oder Newsgroup-Postings anzuhängen (was allerdings die Mails Teil beträchtlich verlängert) oder auf der evtl. vorhandenen, persönlichen Homepage zu veröffentlichen. Einen eleganteren Weg ermöglichen Keyserver. Das sind Server im Internet, die öffentliche Schlüssel sammeln und auf Wunsch preisgeben. Neben den in PGP 5 integrierten Schlüsselübertragungsalgorithmen (die in der Amiga-Version noch nicht funktionieren) lassen sich solche Server meist auch per Hand über ein WWW-Interface (bei DSS/DH-Schlüsseln) oder per Mail (bei RSA-Schlüsseln) bedienen. Entsprechende URLs finden Sie im Kasten »Links zu PGP«. Der Schritt zur bereits erwähnten »Certificate Authority« ist dann nicht mehr weit. Dabei handelt es sich um Einrichtungen, die Keyserver verwalten, die wiederum besonders strenge Anforderung an die Identifikation des vermeintlichen Schlüsseleigners stellen. Nur wenn diese erfüllt sind, signieren sie den Schlüssel mit dem eigenen, besonders streng bewachten Private Key und erstellen damit ein Zertifikat. Vertraut man der »CA«, kann man davon ausgehen, auch einem Public Key, der deren Zertifikat trägt, vertrauen zu dürfen.

Links zu PGP
Hier finden Sie Links rund um PGP:
http://www.amitar.com.au/~stefDie offizielle Distributions-Site für Amiga PGP
http://www.pgpi.comDie offizielle PGP-Homepage
http://pgp.rasip.fer.hr/index.htmlDer Cryptographic Reference Center
http://www.rsa.com/rsalab/newfaqAusführliche FAQ zum Thema Kryptographie mit tiefgehender Erläuterung mathematischer Details und Einblick in die Kryptoanalyse
http://www.de.pgp.net/pgpnetTop Level des deutschen Keyservers von pgp.net
http://users.invweb.net/~whgiii/pgpsrv.htmlIndex über alle Keyserver der Welt

Hat man einen Public Key erhalten, den man für vertrauenswürdig empfindet, so ist dieser schnell in PGPs Public Keyring importiert. Dazu reicht es, den Key in eine Datei zu speichern und mit Hilfe von PGPGUI (Register Keys/Add) einzulesen. PGP erkennt automatisch, welcher Bestandteil des Eingelesenen den Key darstellt und fügt diesen ein. Möchte man den erhaltenen Schlüssel selbst signieren, so klappt dies über das Register Keys/Sign Key. Für die Verwendung des eigenen Schlüsselpaares bestehen mehrere Möglichkeiten. Neben der tatsächlichen Verschlüsselung einer Mail kann diese auch nur signiert werden. Das hat den Effekt, daß die Mail von jedermann, also auch von Nicht-PGP-Benutzern, gelesen werden kann, vor Veränderungen jedoch geschützt ist.

PGPGUI bietet für das Verschlüsseln, das Signieren und das Entschlüsseln drei Registerblätter an. Leider kann die aktuelle Version von PGPGUI noch nicht mit der Zwischenablage des Amiga-OS umgehen. Ein einfaches Cut & Paste der Mail reicht also nicht. Es ist nötig, die zu verschlüsselnde oder zu signierende Mail in eine Datei zu speichern, die dann von PGP verarbeitet wird.

Sicher: Die Original-Mail mit PGP kodiert und signiert - ohne den Private-0000Key des Empfängers nicht entschlüsselbar

Wichtig ist dabei vor allem, die Option »ASCII Armor« zu aktivieren. Diese sorgt dafür, daß auch das Resultat der Verschlüsselung wieder per EMail verschickt werden kann. Wie das für den Fall einer Testmail (Bild »Unsicher«) aussieht, sehen Sie in »Signiert« (nur signiert) und »Sicher« (verschlüsselt und signiert). Um dieses Resultat zu erhalten, brauchen Sie lediglich den Public Key des Empfängers auszuwählen sowie Ihren Passphrase für die Signatur einzugeben. Schon kann die verschlüsselte Nachricht sicher auf Reisen gehen.

Erhalten Sie eine mit Ihrem Public Key verschlüsselte Mail, ist der umgekehrte Weg kaum schwieriger. Passphrase für den eigenen Secret Key eingegeben und schon dekodiert PGP die Mail für Sie. Vorher sollten Sie eine evtl. vorhandene Signatur mit dem Public Key des Senders gegenprüfen. Man sieht: Die Arbeit mit PGP 5 läuft zwar noch nicht so reibungslos von der Hand, wie mit den älteren Versionen von PGP, die sowohl eine bessere Abstimmung auf den Amiga als auch eine engere Integration mit den bekanntesten Mailern erfahren haben. Doch ist trotzdem und vor allem dank PGPGUI auch PGP 5 kein Hexenwerk mehr. Wer sich dennoch an die Kommandozeile wagen möchte, findet im Kasten »Extreme PGPing« die wichtigsten Kommandozeilenparameter. Viel wichtiger als auswendig gewußte Parameter ist jedoch das Verständnis der Public Key Metapher und ihrer Auswirkungen. Dann jedoch sind sichere EMails kein Wunschtraum mehr.

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Zuletzt aktualisiert am 4. Juni 1998.