AMIGA-Magazin · PCMCIA: Amiga 1200 im Netz

Aktuelles Heft 7/98

Die clevere Alternative

Für den PCMCIA-Anschluß gibt es mittlerweile genügend Zubehör ­ allerdings nur für den PC. Da PCMCIA standardisiert ist, stellt sich die Frage: Funktionieren diese Baugruppen auch am Amiga 1200? Wir sind fündig geworden und zeigen Ihnen, wie einfach und billig damit der Weg ins lokale Netzwerk ist.

von Jessica Fischer

Soll der Amiga 1200 ins lokale Netzwerk integriert werden, mußte er bisher in einen Tower mit Zorro-II/III-Board eingebaut und mit einer teuren Netzwerkkarte bestückt werden. Das ist sehr aufwendig und für die komplette Hardware ist man im Handumdrehen rund 1000 Mark los. Der PCMCIA-Anschluß scheint hier die clevere Alternative zu sein. Denn dieser Anschluß ist häufig ungenutzt und für ihn gibt`s reichlich Auswahl an vergleichsweise billigen Netzwerkkarten. Auch wenn der Amiga 1200 im Tower eingebaut ist, lohnt sich diese Alternative. Denn im Tower steht der PCMCIA-Anschluß weiterhin zur Verfügung und wird nur selten genutzt.

PCMCIA-Ethernetkarten mit cnet.device
funktioniert (getestet)sollte funktionieren (nicht getestet)funktioniert nicht
CNet CN40BCSocket Communications AAA-10013Com-Karten
Accton EN2216SureCom EP-527Xircom-Karten
 Micronet SP122Accton EN2212
 Grey Systems Ethernet GoldDLink DE660
 KingMax Twchnology NE2000 Compatible 
Die Angaben in der Tabelle stammen vom Programmautor Bruce Abbott. In der Redaktion wurde nur die Karte »CNet CN40BC« getestet.

Damit eine Steckkarte für den PCMCIA-Anschluß funktioniert, braucht sie einen Treiber. Für PCMCIA-Ethernet-Karten des PCs gibt es für den Amiga 1200 bisher einen Treiber mit der Bezeichnung »cnet.device«. Bruce Abbott programmierte ihn speziell für die Ethernet-Karte »CNet CN40BC«. Der Treiber funktioniert erfreulicherweise auch mit der PCMCIA-Karte »Accton EN2216«. »Cnet.device« finden Sie im Aminet im Verzeichnis »hard/drivr« oder auf unserer CD-ROM zur Ausgabe 8/98.

CNet CN40BC: Die Karte ist für den Amiga 1200 das Tor zum Netzwerk

Platzsparend: Die Bauelemente liegen flach über dem Chip und sollten zur Sicherheit elektrisch isoliert werden

Umbau: Ein Transistor und zwei Widerstände erzeugen den fehlenden Rücksetzimpuls für die PCMCIA-Karte

Blitzschnell konfiguriert

Der Treiber muß lediglich in ein beliebiges Verzeichnis kopiert werden. Wir empfehlen dafür das für Treiber vorgesehene Verzeichnis »DEVS:« oder »DEVS:networks«. Die Karte läßt sich dann wie gewohnt mit den Programmen »AmiTCP/IP« oder »Miami« aktivieren und nutzen. Der Programmautor liefert zusätzlich das Programm »card_info« mit, das eine angeschlossene PCMCIA-Ethernetkarte identifiziert und eine Reihe Hardware-Informationen zur Karte liefert. Weitere Beispiele zeigen, wie »AmiTCP/IP« oder »Miami« zu konfigurieren sind. Wir testeten in der Redaktion die PCMCIA-Ethernetkarte »CNet CN40B« an einem Amiga 1200.

Im Amiga steckten eine Turbokarte »Blizzard 1230« mit 4 MByte Fast-RAM. Für die TCP/IP-Verbindung nutzten wir das Programm »Miami« in der Version 3.0. Die »CNEt CN40B« hat zwei verschiedene Anschlüsse für die Netzwerkverbindung. Zum einen kann eine Verbindung mit Koaxialkabel über den BNC-Anschluß hergestellt werden. Zum anderen besteht auch die Möglichkeit, über die RJ-45-Buchse eine 10BASE-T-Verbindung herzustellen. Der Amiga 1200 arbeitet mit beiden Anschlüssen problemlos sowohl in unserem Firmen-Netz (mit DHCP unter WindowsNT) als auch in einem kleineren Netz mit zwei PCs und einem Amiga 4000. Wichtig war, daß in »Miami« unbedingt die Hardware-Parameter der PCMCIA-Karte ermittelt werden. Erst dann funktionierte die Karte. Das ist aber recht einfach und nur einmal durchzuführen. Im Punkt »Interface« klickt man auf den Schalter »SANA-II parameters...« und dann auf »Query device«. Miami liest die Parameter, die mit Klick auf »OK« übernommen und mit dem Menüpunkt »Speichern« gesichert werden.

Bug im Amiga 1200

Leider hat der Amiga 1200 einen Bug in seinem sogenannten »Gayle-Chip«. Hier funktioniert das Signal »CC_RESET« nicht. Das bedeutet, daß die PCMCIA-Ethernetkarte weder bei Kalt- noch bei Warmstart den notwendigen Reset-Impuls bekommt. Ohne diesen definierten Rücksetzimpuls funktioniert sie aber nicht. Eine Möglichkeit ist, die Karte während des Bootvorgangs vom Rechner zu trennen und sie erst in den PCMCIA-Slot zu stecken, nachdem der Amiga gebootet hat. Trennen und Stecken von PCMCIA-Komponenten während des Betriebes ist durchaus zulässig. Die Karten sind so gebaut, daß dabei weder Karte noch Rechner beschädigt werden.

Die Methode ist allerdings nicht sehr fortschrittlich und der Erfolg nicht immer garantiert. Deshalb liefert der Programmautor eine Anleitung mit, den Bug zu beseitigen. Dazu reichen ein Transistor, zwei Widerstände und sehr gute Kenntnisse im Umgang mit dem Lötkolben. Wir haben diesen Umbau an unserem Amiga 1200 in der Redaktion in nur zehn Minuten erfolgreich durchgeführt. Danach funktionierte der Reset-Impuls für die Ethernetkarte. Das Bild »Umbau« zeigt die Schaltung und notwendigen Bauelemente, um den Reset-Impuls zu erzeugen. Wer sich nicht sicher ist, sollte den Umbau von einem Fachmann vornehmen lassen!

Fazit: Besitzer des Amiga 1200 bekommen mit dem Treiber »cnet.device« ein nützliches Programm mit großer Wirkung. Fortan kann auch der »Kleine« professionell im Netzwerk mitmischen. Die dafür notwendige »CNet CN40BC« läßt sich im Handumdrehen installieren und bringt hervorragende Übertragungsleistungen.

lb

Preis für CNet CN40BC: etwa 150 Mark
Anbieter: Fachhandel; CNet Technology GmbH,
Kleinhülsen 6, 40721 Hilden, Tel. (0 21 03) 95 81-0, Fax (0 21 03) 95 81 11
http://www.cnet-europe.com

Ermittelte Übertragungsraten
DatenaustauschLeistung KByte/s
Amiga 1200 zu Amiga 4000150
Amiga 4000 zu Amiga 1200150
Amiga 1200 zu PC150
PC zu Amiga 1200150
Amiga 4000 zu PC240
PC zu Amiga 4000180
PC zu PC180
Konfigurationen:
Amiga 1200:Blizzard 1230, 4 MByte Fast-RAM, CNet CN40BC, Miami 3.0
Amiga 4000:Cyberstorm 040, 64 MByte Fast-RAM, Hydra-Ethernetkarte, Miami 3.0
PCs:Pentium 133MHz, 24 MByte RAM, Dynalink-Ethernetkarten
Die ermittelten Werte sind gerundete Datenübertragungsraten, die in der Praxis erreicht wurden.


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Zuletzt aktualisiert am 4. Juni 1998.