AMIGA-Magazin · Ausgabe 7/02 · Workshop: Dateien umbenennen

Aktuelles Heft 7/02

Tausend neue Namen

Sie haben eine Schublade mit 100 Bilddateien, die Sie schon immer mal einheitlich benennen und durchnummerieren wollten? Oder Sie wollen einfach mal für mehrere Dateien die Endung ändern? Machen Sie nicht alles von Hand, sondern lassen Sie diese Tools für sich arbeiten.

von Martin Steigerwald

Das manuelle Umbenennen vieler Dateien kann zu einer sehr aufwändigen Angelegenheit werden. Selbst dann, wenn Sie in »Directory Opus Magellan II« mit der mittleren Maustaste in einen Textlister klicken und dann einfach die neuen Namen an Ort und Stelle eingeben.

Dabei sind es doch oft kleine Aufgaben, die sich leicht automatisieren lassen: Hier soll eine Dateinamenserweiterung geändert werden, dort alle Dateinamen in Kleinbuchstaben gewandelt werden oder alle Namen auf eine bestimmte Länge gekürzt werden.

Sie können sich nun ein ARexx-Skript schreiben. Das ist sicherlich eine gute Übung, wenn Sie ARexx erlernen wollen. Oder aber Sie nutzen eines der bereits fertig programmierten Tools. Diese arbeiten zudem mit einer höheren Geschwindigkeit, da sie in einer kompilierten Sprache programmiert sind.

GUI, Shell oder etwa beides?
Verwendete Software
Software Quelle
mrename AmiNet: util/cli/mrename.lha
MultiRen http://www.onyxsoft.nu
SRename AmiNet: util/cli/SRename.lha
Ren http://www.onyxsoft.nu
Rename95 AmiNet: util/cli/Rename95.lha
TheMPegEncGUI http://www.onyxsoft.nu
Neben einigen kleineren Tools gibt es für den Amiga zwei leistungsfähige und Feature-beladene Programme zum Umbenennen von Dateien: »MultiRen« von Daniel Westerberg (OnyxSoft) kommt in einer gefälligen MUI-Oberfläche mit vielen Einstellfenstern daher. Das andere »SRename« von Constantinos Nicolakakis ist was für Shell-Freaks, die am nächsten Wettbewerb teilnehmen wollen, wer die längste Befehlszeile eingibt. Allerdings lässt sich SRename auch sehr gut in Datei-Managern einsetzen.

Mit MultiRen können Sie schon fast alles machen und auch außergewöhnliche Umbenenn-Wünsche kann es erfüllen. Mit SRename können Sie sogar noch mehr anstellen: SRename kann sogar mehr als eine Umbenenn-Aktion auf einmal ausführen, solange sich beide Aktionen auf unterschiedliche Teile des Quell-Dateinamens beziehen.

Welches Tool nutzen? Dieser Workshop beschreibt diese beiden Tools und auch noch ein paar kleinere Tools und gibt weitere Tipps, so dass Sie dann einfach je nach konkreten Anwendungsfall die für Sie optimale Lösung leicht selbst finden können! Im ersten Teil des Workshops geht es um MultiRen. Alles weitere folgt im nächsten Teil.

Rename mit Undo-Funktion
Sie haben 1000 Bilddateien umbenannt, das Ergebnis ist nicht so wie Sie wünschen und die Sicherheitskopie ist wieder mal zu alt? Mit MultiRen wäre Ihnen das nicht so leicht passiert: MultiRen zeigt stets eine Liste mit den alten und den neuen Dateinamen an (s. »Rename mit Undo«).

Rename mit Undo:
MultiRen erlaubt es, Dateien auf einmal umzubenennen und das wieder rückgängig zu machen.
 
Umbenennen mit Opus:
Mit Opus editieren Sie die Einträge in einem Textlister einfach wie mit einem Texteditor.
 
Einfach sortieren:
Vor dem Umbenennen lässt sich die Liste mit dem »Sort« nach verschiedenen Kriterien sortieren.
Einheitlich nummeriert:
Mit dem »Numberer« lässt sich eine Serie von Dateien einfach neu durchnummerieren..
 


Alle Änderungen finden zunächst nur in dieser Liste statt. Es gibt nur drei Schalter ­ alle in der grafischen Oberfläche mit fettgedruckter Beschriftung hervorgehoben ­ die etwas an den Informationen zu den Dateien auf der Festplatte ändern: So benennt MultiRen erst dann alle Dateien um, wenn Sie auf den »Rename«-Schalter klicken. Zudem macht »Undo Rename« eine versehentliche Umbenenn-Aktion einfach wieder rückgängig. Es ist dennoch sinnvoll, im Zweifelsfall eine Sicherheitskopie anzulegen! »Set Comments« erlaubt es auf einfache Weise die Kommentare der Dateien zu ändern.

Die Liste ist bei Programmstart zunächst einmal leer. Am einfachsten können Sie sie füllen, indem Sie MultiRen direkt auf dem Workbench-Bildschirm laufen lassen und dann die gewünschten Dateien und/ oder Schubladen einfach in das MultiRen-Fenster hinüberziehen und dort fallen lassen. Dabei können Schubladen einfach nur als Eintrag hinzugefügt werden oder aber MultiRen liest deren Inhalt optional inklusive des Inhalts aller Unterschubladen ein. Zudem können Sie eine Textdatei mit Dateinamen in die Liste importieren.

Sie können Listen speichern, wieder einladen und als Textdatei exportieren, um Sie in einem anderen Programm weiterzuverwenden, z.B. als Abspielliste für ein Musik-Abspielprogramm.

134 Dateien auf einmal:
Der »Numberer« hat seine Arbeit getan und 134 Einträge neu durchnummeriert. Mit »Rename« kann man alle Dateien wirklich umbenennen.

In der Liste selbst können Sie nun einfach einzelne Einträge manuell umbenennen. Praktischerweise können Sie damit direkt im Texteingabefeld die Cursor-Hoch- und Cursor-Runter-Taste verwenden, um zum nächsten bzw. vorhergehenden Eintrag zu springen. Dadurch können Sie mehrere Dateien komfortabel in einem Rutsch manuell umbenennen. Ein Feature, wie es »Directory Opus Magellan II« auch in seinen Textlistern bietet. Sie können es je nach Einstellung in »Umgebung/Listeroptionen« bei »Direkteditierung« entweder mit dem linken Mausknopf, dem mittleren Mausknopf oder dem linken und dem mittleren Mausknopf aktivieren. Es erscheint dann direkt ein Cursor an der angeklickten Stelle im Verzeichnislisting (s. »Umbenennen mit Opus«). Neben Dateinamen können Sie so auch Kommentare, Schutzbits oder das Datum ändern.

Die ersten vier Spalten in der Liste zeigen den Status des aktuellen Eintrags an. In der ersten Spalte steht entweder ein »E« für aktive Einträge (Enabled) und ein »D« für inaktive Einträge (Disabled). Inaktive Einträge werden beim Umbenennen nicht berücksichtigt. Ein »C« in der zweiten Spalte markiert geänderte Einträge (Changed). Nach einer Umbenenn-Aktion markiert ein »R« in der dritten Spalte ein erfolgreiches Umbenennen der Datei (Rename), ein »F« einen Fehler (Failure). Die vierte Spalte bezieht sich auf Dateikommentare: »c« markiert Dateien mit einem ungeänderten Kommentar, »C« markiert Dateien mit einem geänderten Kommentar, »F« markiert Fehler beim Ändern eines Dateikommentars. Solche liebevollen Details sind im gesamten Programm verteilt. Für erkundungswillige Umbenenn-Experten gibt es also Einiges zu entdecken.


Hilfsmittel und Plugins erweitern das Tool
Natürlich beschränkt sich MultiRen nicht nur auf das manuelle Umbenennen von Dateien. Mit Hilfe von sieben Tools, von denen eines externe Plugins unterstützt, bietet MultiRen eine Vielzahl an unterschiedlichen Funktionen zum automatischen Umbenennen von Dateien: »Sort« bietet Optionen zum Sortieren der Liste, »FileCleaner« erlaubt es unerwünschte Zeichen aus Dateinamen zu entfernen, »Adaptor« passt die Länge von Dateinamen an, »Extension Editor« verwaltet Dateinamensendungen oder -präfixe, »Numberer« nummeriert Dateien durch, »Renplacer« erlaubt das Umbenennen vieler Dateien mit AmigaDOS-Mustern und Plugins, und »File Comment« ist für Dateikommentare zuständig.

Dieser Workshop geht nicht auf alle Möglichkeiten von MultiRen ein, sondern gibt ein paar Beispiele. Anhand dieser Muster können Sie die Aktionen auf eigene Bedürfnisse anpassen.

Wer viel mit Bildern zu tun hat, möchte mitunter auch mal alle Bilder in einer Schublade einheitlich benennen: Hier als Beispiel nun das Umbenennen einiger Hintergrundbilder für die Workbench.

Vor dem Umbenennen kann man die Liste noch alphanumerisch sortieren lassen: Das ist besonders praktisch, wenn Sie eine vorhandene Bildserie einfach nur neu durchnummerieren wollen und die Reihenfolge der bereits nummerierten Bilder erhalten bleiben soll.

Klicken Sie dazu auf den Schalter »Tools«, und wählen Sie dann das »Sort«-Tool aus (s. »Einfach sortieren«). Ein einfacher Klick auf »Sort by.../Old name« sortiert alle Einträge der Liste nach ihrem alten Dateinamen durch. Sie können Dateien auch nach ihrem neuen Namen, ihrem Kommentar oder ihrem Status wie »Enabled«, »Changed«, »Renamed« und »Failed« sortieren lassen. Leider scheint es nicht möglich zu sein, die Dateien nach ihrem Datum zu sortieren.

Renplacer:
Dieses Tool dient zum Ersetzen bestimmter Wörter in jedem Dateinamen. Es kann jedoch auch für komplexes Umbenennen von Dateien verwendet werden.

Mit »Numberer«-Tool können Sie nun die Dateien mit einem neuen Basisnamen durchnummerieren lassen (s. »Einheitlich nummeriert«). In diesem Beispiel geben Sie einen Basisnamen (Base filename) mit Dateinamenserweiterung an. Als Trennzeichen (Separator) zwischen Dateinamen und Nummer dient ein Bindestrich. Zudem können Sie die Anzahl der Ziffern (Max # of digits) sowie die Startnummer (Start at number) angeben. Hier sind drei Ziffern angegeben, da es sich um mehr als Hundert aber weniger als Tausend Dateien handelt. Die Anzahl der Einträge sehen Sie im Fenstertitel des Hauptfensters.

Statt einen neuen Basisnamen mit Erweiterung zu bestimmen (Use basename), können Sie auch die vorhandenen Dateinamen erwenden. Leider wird jedoch in diesem Fall eine evtl. bereits vorhandene Nummerierung nicht ersetzt: Die neuen Nummern werden einfach an die Alten angehängt. Interessant wäre auch die Möglichkeit, dem Dateinamen das aktuelle Dateidatum hinzuzufügen. Ein Plugin für »Renplacer« könnte jedoch auch diese Aufgabe erledigen.

Während des Schreibens des Artikels hat Daniel Westerberg nach unserem Feedback bereits die neue Version 1.49 von MultiRen erstellt, die nun einige Erweiterungen im »Numberer«-Tool enthält. So lässt sich nun ein Trennzeichen zwischen Namen und Dateinamen nachträglich hinzufügen oder ändern.

Mit »Add numberserie« im »Numberer«-Fenster nummerieren Sie alle Einträge der Liste neu durch. In der Spalte »New name« im Hauptfenster bekommen Sie dann das Ergebnis angezeigt. Entspricht es Ihren Wünschen, so können Sie mit »Rename« alle Dateien umbenennen lassen (s. »134 Dateien auf einmal«).

Ein anderes praktisches Tool von MultiRen ist der »Renplacer«, bei dem Sie via Mustererkennung Dateien umbenennen oder einfach nur bestimmte Teile des Dateinamens ersetzen können (s. »Renplacer«).

Wenn Sie einfach nur in jedem Dateinamen ein bestimmtes Wort durch ein anderes Wort ersetzen wollen, nutzen Sie die »Replace«-Funktion. Sie geben eine Quelle (»Source«) und ein »Ziel« an. Als Quelle verwenden Sie den alten Dateinamen (»Old name«). Sie könnten jedoch als Quelle auch den neuen Dateinamen, den Pfad zur Datei oder den Kommentar angeben. Als Ziel (»Target«) geben Sie den neuen Dateinamen (»New name«) an. Sie könnten auch »Comment« angeben. In diesem Fall würde Renplacer das Ergebnis der Ersetz-Aktion in den Dateikommentar schreiben. Jetzt geben Sie in dem Texteingabefeld bei »Source« einfach nur das Wort an, das sie ersetzen wollen und in »Target« das Wort, durch das es ersetzt werden soll. Ein Klick auf »Replace« erledigt dann den Rest. Im Hauptfenster können Sie das Ergebnis bewundern und gegebenenfalls das Umbenennen starten.

Sie können jedoch auch Muster zum Umbenennen von Dateien verwenden. Das läuft ein wenig anders als bei AmigaDOS. Es gibt die beiden Platzhalter »*« für keins oder beliebig viele Zeichen und den Platzhalter »?« für ein Zeichen. Mal angenommen, Sie haben ein paar tolle Bilder:

Tolles Bild1.ilbm
Tolles Bild2.ilbm
usw.

Nun finden Sie aber, dass die Bilder eigentlich alle »genial« und nicht »toll« sind. Nichts leichter als das: Als Quelle »Tolles *.ilbm« angeben, als Ziel »Geniales *.ilbm«, auf »Rename« klicken und ab geht die Post. Wenn Sie als Ziel stattdessen »Geniales ?.ilbm« angeben, wird nur der erste Buchstabe des Textes, den das Quellmuster erkannt hat, verwendet: »Tolles B.ilbm« wäre für alle Dateien das Ergebnis. Leider ergibt »???« dann nicht drei aufeinanderfolgende Buchstaben des Quellmusters, sondern dreimal den ersten Buchstaben, also »BBB«.
Netterweise können Sie das Ganze aber auch mit mehreren Mustern machen. Mal angenommen Sie haben ein paar MP3-Dateien, deren Namen das gleiche Muster haben. Die Dateien könnten wie folgt lauten:

Tolles Lied - Grosser Popstar.mp3
Noch tolleres Lied - Singsangsong.mp3


Also zuerst kommt der Titel des Lieds und dann der Name des Musikers bzw. der Gruppe. Jetzt hätten Sie das aber gerne umgekehrt. Auch das ist mit einem Muster sehr leicht: Als Quelle einfach »*1 - *2.mp3« angeben, als Ziel »*2 - *1.mp3« und dann auf »Rename« klicken. Die »1« oder »2« nach dem »*«-Zeichen sind dabei Indexe, die verschiedene Muster bezeichnen. Es könnte sich dabei auch um einen beliebigen Buchstaben handeln.

Doch damit nicht genug, es gibt zu Renplacer auch noch Plugins (s. »Plugins«). Mit deren Hilfe können Sie aus 8SVX-Samples, MP3-Dateien und Bildern Informationen herausziehen, die Sie dann zum Benennen Ihrer Dateien verwenden können.

Plugins:
Plugins im Rename-Tool? Der »ID3-Tag Extractor« extrahiert Informationen aus ID3-Tags.
 
Bekannt:
Amplifier zeigt die in einem ID-Tag einer MP3-Datei enthaltenen Informationen an.
 
Klare Namen:
MultiRen hat mit »Renplacer« und »ID3-Tag Extractor« alle MPEG3-Dateien nach Titeln und Künstlernamen benannt.
 

MP3-Dateien beispielsweise haben einen ID-Tag, der Informationen über den Künstler, das Album, das Erscheinungsjahr usw. enthalten kann. Diese Angaben können Sie z.B. mit dem Player »Amplifier« anschauen und editieren. Dazu müssen Sie im Programm in der Abspielliste auf »Misc Opts« klicken und dann »File Inf« auswählen (s. »Bekannt«). Mit anderen Playern funktioniert das ähnlich.

Im Plugin-Fenster von Renplacer (s. »Plugins«) werden alle Plugins aufgelistet. Wichtig ist die Angabe bei Index, die angibt, unter welchem Buchstaben man die entsprechende Informationen referenzieren kann. So würde »*H« z.B. den Songtitel einfügen. So können Sie z.B. MPEG3-Dateien nach dem Muster »Künstler - Songtitel.mp3« benennen, indem Sie als Quelle »*.mp3« angeben und als Ziel »*I - *H.mp3«. Voraussetzung ist natürlich, dass die betreffenden MP3-Dateien die entsprechenden Informationen auch enthalten (s. »Klare Namen«). Diese müssen beim Digitalisieren eingetragen werden. Fehlen die Daten, fügt Renplacer nur leere Felder in die Namen. Dann kann es u.U. zu Problemen kommen.

Damit ist dieser Workshop an seinem Ende angelangt. MultiRen bietet noch viele weitere Funktionen - gehen Sie auf Entdeckungsreise.

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Zuletzt aktualisiert am 23. 5. 2002.