AMIGA-Magazin · Ausgabe 6/99 · Netzwerke: Samba 2.0 und Zusatztools

Aktuelles Heft 6/99

Fenster auf!

Mit der Veröffentlichung von Samba 2.0 kamen zahlreiche Neuerungen zur freien Implementierung des smb-Protokolls hinzu. Eine Amiga-Version ist mittlerweile auch verfügbar. Außerdem gibt es einige sehr nützliche Werkzeuge zur Administration eines Samba-Netzwerks.

von Jörn-Erik Burkert

SWAT: Mit einem Webbrowser kann man ab Samba 2.0 Einstellungen anzeigen, den Samba-Status abrufen und das Setup verändern.
Bisher galt Samba als reines Werkzeug zur Kommunikation von nicht-Windows-Rechnern mit Maschinen, auf denen das Microsoft-Betriebssystem läuft. Ab Version 2.0 ging das Team um Andrew Tridgell einen Schritt weiter. Mit Samba ist man nun mittlerweile in der Lage, einen NT-Domain-Server durch eine Unix/Linux-Maschine zu ersetzen. Das wurde möglich, weil das »Windows NT Domain Autentifikations Protokoll« in Samba integriert wurde. Bei Benchmark-Tests von Ziff Davis hängte u.a ein Linux-PC mit Samba einen NT- Server bei 60 Clients klar ab. Bei einem weiteren Test zwischen einer SGI-Workstation (mit Samba) und einem Windows-NT-Rechner (mit vier CPUs) ging der Sieg wieder an die Unix-Maschine. Ein klarer Beweis für die Leistungsfähigkeit von Linux, Samba und anderer freier Software. Eine echte Schlappe für den millionenschweren Software-Giganten Microsoft!

Samba 2.0 auf dem Amiga

Die Portierung von Samba für den Amiga wird vom Dänen Rask Ingemann Lambertsen vorgenommen. »Samba - opening windows to a wider world« ­ dem neuen Motto des Samba-Teams ­ folgend, hat er auch Version 2.0 für den Amiga portiert. Die derzeitige Version kann man nicht als 100-prozentig bezeichnen, aber die Sache funktioniert in der Praxis sehr gut. Die neue Samba-Version gibt es auf der Amiga-Samba-Hompage ­ man braucht im Prinzip nur das Paket downloaden und das bin-Verzeichnis von Samba durch die neuen Dateien ersetzen. Nach einem Restart von Samba stehen alle neuen Funktionen zur Verfügung.

Amiga-Samba richtig entpacken
Der Umgang mit dem Packer lha dürfte jedem Amiga-User geläufig sein. Die Samba-Archive sind aber gzip-gepackt (GNUzip) und dann noch mit tar verschnürt. Um die Archive zu entpacken benötigen Sie die Amiga-Versionen von gzip und tar. Sie finden die ausführbaren Dateien und die Anleitungen als lha-Archive auf der aktuellen Heft-CD im Verzeichnis Software/Samba/Packer/.

Version 2.0 von Samba wird mittlerweile nicht mehr mit gzip komprimiert. Dazu kommt das effektiver arbeiten Programm bzip2 zum Einsatz. Die finden dieses Tool im oben genannten Verzeichnis. Mit

bzip2 -d archivename.bz2

entpacken Sie ein solches Verzeichnis. Bitte achten Sie darauf, das die File-Extension bz2 lautet ­ sonst schlägt der Entpackvorgang fehl! Im Anschluß können Sie mit tar oder untar das Samba-Archiv endgültig auspacken. Wenn Sie Bbzip2 und tar in einem Verzeichnis mit Pfad stehen haben, können Sie mit folgender Anweisung das Archive in einem Rutsch auspacken:

bzip2 -cd archivename.bz2 | tar xf -

Seit Version 2.0 beherrscht Samba die verschlüsselten Paßwörter, die Windows 98 bzw. NT benutzen. Bei Windows 3.x bzw. 95 spielte das keine Rolle, denn die Paßwörter wurden bis dahin im Klartext durch das Netz geschickt. Diese Tatsache öffnete gewitzten Hackern die Tür zu fremden Systemen ­ Micorsoft reagierte und integrierte das fehlende Feature bei Windows 98 bzw. mit dem ServicePack 4 von NT. Wer die durchaus stabile Version 1.9.x von Amiga-Samba benutzt und einen Windows 98/NT-Rechner besitzt, muß in der Registry die Verschlüsselung von Paßwörtern ausschalten (s. Kasten »Samba 1.9.x und Windows 98/NT«). Dann kann man auch mit dieser Samba-Version vom Amiga auf Microsoft-Maschinen zugreifen.

Zwar kann ein Amiga ab Version 2.0 auch als Windows-NT-Domain-Server agieren ­ von so einem Vorhaben sollte man in jedem Falle Abstand nehmen! Die Performance eines schnellen Amigas (mit 060-CPU) reicht in keinem Fall aus und diese Aktion würde den Amiga in die Knie zwingen.

SWAT ­ Überblick per Webbrowser

Die Konfiguration von Samba ist wahrlich nicht die einfachste Sache der Welt. In der neuen Samba-Version findet man im bin-Verzeichnis ein neues Programm mit dem Namen swat. Das Kürzel steht für Samba Web Administration Tool. Es erlaubt den aktuellen Samba-Status abzufragen und Einstellungen zu ändern.

Um SWAT zu nutzen, benötigen Sie die Help-Dateien, Includes und die Grafiken der Standard-SWAT-Distribution. Diese finden Sie auf unserer Heft-CD im Verzeichnis Software/Samba/swat/. Einige Hilfeseiten fehlen ­ diese müssen Sie sich aus der Standard-Samba-Distribution besorgen und in die entsprechenden Verzeichnisse kopieren.

Das komplette Verzeichnis swat von der Heft-CD kopieren Sie in Ihr Samba-Verzeichnis. Dann müssen Sie noch einige Eintragungen in Miami bzw AmiTCP (Genesis) hinzufügen. Miami-User gehen zu Database/services und legen dort einen neuen Eintrag an:

SMB-Net: Mit diesem Frontend und dem SMB-Handler lassen sich Rechner bzw. rucker im Netz schnell mit dem Amiga verbinden.
Name: swat
ID: 901
Protokoll: tcp
Alias: SWAT

Nun wechseln Sie zu Database/InetD und fügen einen Eintrag hinzu:

Service: swat
Socket: stream
Protokoll: tcp
Wait: nowait
User: root
Server: Samba:bin/swat
Name: swat

AmiTCP-User gehen im AmitCP-Verzeichnis in das Subdirectory db. Dort öffnen Sie mit einem Texteditor die Datei Services. Fügen Sie folgende Zeile ein:

swat 901/tcp

Dann öffnen Sie die Datei inetd.conf und ergänzen:

swat stream tcp nowait.400 root /usr/local/samba/bin/swat swat

Informationen rund um Samba
Samba-Homepagehttp://www.samba.org
Amiga-Samba-Page http://www.gbar.dtu.dk/
~c948374/Amiga/Samba/
SMB-Nethttp://www.dmbsoft.de
SWAThttp://anu.samba.org/cgi-bin/swat/
NAThttp://www.secnet.com/ntinfo
/ntaudit.html
smb2www http://de.samba.org/samba
/smb2www/index.html
Samba-T-Shirtshttp://www.usedbrain.com
/shirts/samba/
Samba-CD-ROM (Service
Network GmbH)
http://Samba.SerNet.DE/cdrom
/indexd.html
Geek Gadgetshttp://www.ninemoons.com
Ossowskis Schatztruhehttp://www.schatztruhe.de
Restarten Sie zur Sicherheit Miami bzw. AmiTCP und starten Sie dann Samba (falls nicht automatisch beim Start des TCP/IP-Stacks). Nun benötigen Sie einen Webbrowser und geben da die URL http://localhost:901 ein. Die Hauptseite von SWAT wird jetzt serviert. Wenn Sie die komplette Dokumentation von Samba bzw. SWAT installiert haben, können Sie über die Links die Anleitungen lesen. Mit Hilfe der Symbole im oberen Teil können Sie zu den einzelnen Funktionen springen und testen (s. »SWAT«).

Hinweis: Bevor Sie mit Hilfe von SWAT irgendwelche Änderungen vornehmen, sollten Sie sich eine Sicherheitskopie von smb.conf im Samba-Verzeichnis lib anfertigen. SWAT greift auf diese Datei zu und editiert sie. Wenn Sie Fehler machen, verlieren Sie unter Umständen alle Setup-Informationen.

Wenn Sie sich für SWAT interessieren, sollten Sie sich die neueste Samba-Version aus dem Internet downloaden. Ältere Varianten haben einige kleine Macken und Probleme. Bitte vergessen Sie nicht ­ Samba 2.0 befindet sich noch im Alpha-Test-Statium. Wenn Sie eine funktionsfähige Version nutzen wollen, sollten Sie auf Samba 1.9.x zurückgreifen (finden Sie auch auf der aktuellen Heft-CD). In diesem Fall müssen Sie aber auf SWAT verzichten.

SMB-Net ­ der komfortable Zugriff

Der Zugriff von Windows-Rechnern auf den Amiga funktioniert im Allgemeinen sehr gut. Der Amiga erscheint in der Netzwerkumgebung. Wenn man mit einem Amiga auf einen Rechner im Netz zugreifen will, dann bleibt für den Anfang nur smbclient. Man hängt in der Command-Line fest und kann damit von keinem Programm aus auf die Rechner im Netz zugreifen. Der SMB-Handler schafft hier Abhilfe ­ Netzlaufwerke lassen sich damit in das System einbinden. Der Handler von DMBsoft ist seit einiger Zeit verfügbar ­ es gab aber immer wieder Probleme bei der Konfiguration. Deswegen entstand SMB-Net ­ ein Frontend zur Konfiguration des SMB-Handlers und zum Mounten von Laufwerken (bzw. Druckern) im Netz. SMB-Net können Sie von der DMBsoft-Homepage downloaden. Im Archiv finden Sie das Programm und den SMB-Handler. Der Handler muß sich unbedingt im L:-Verzeichnis befinden ­ außerdem benötigt das Programm den Befehl mount im c:-Verzeichnis.

Nach dem Start von SMB-Net öffnet sich ein Fenster (s. »SMB-Net«). Hier kann man Netzlaufwerke eintragen und den Amiga damit verbinden. Die Angaben für den Zielrechner (destination), Sharename und Username sollten Sie immer in Großbuchstaben machen, auch wenn die betreffenden Eintragungen auf anderen Rechnern anders sind. Geben Sie das Paßwort für die Verbindung in der richtigen Schreibweise an!

SMB-Net arbeitet in Verbindung mit Samba 2.0 ohne Probleme ­ Verbindungen ließen sich ohne Schwierigkeiten aufbauen ­ sowohl mit Windows 98 als auch Windows NT.

NAT ­ der Spion im Netzwerk

Mit NetBIOS Auditing Tool können Sie Ihr lokales Netzwerk gezielt prüfen und nach SMB-Servern und Shares untersuchen. Das Programm ist Command- Line-orientiert und wird in der Shell benutzt. Man kann nach den Einstellungen einzelner Server suchen, aber es besteht auch die Möglichkeiten ganze Domains durchzukämmen. Das Programm finden Sie auf der CD zum Heft im Verzeichnis Software/Samba/.

smb2www ­ per Web auf den Amiga

smb2www: Mit Hilfe eines Webservers und einigen CGIs in Perl kann man auch per Webbrowser auf Samba-Maschinen zugreifen.
Bei diesem Paket handelt es sich um eine Sammlung von CGI-Skripten, die alle in Perl geschrieben wurden. Sie ermöglichen den Zugriff auf einen Rechner mit Samba per Webbrowser. Man kann quasi in den Shares surfen und bekommt per HTML die Shares und ihre Inhalte gezeigt. Auf Wunsch kann man dann eine Datei downloaden oder per WinPOP eine Message verschicken.

Damit die CGI-Sammlung richtig arbeitet, benötigt man aber einen Webserver und Perl für den Amiga. Mit dem Apache funktioniert die Sache recht gut ­ für den Webserver und Perl ist aber eine funktionsfähige GeekGadgets-Umgebung (Cronus/Fred Fish) erforderlich. Die Installation erfordert einen gewissen Zeitaufwand ­ außerdem muß man die Perl-Skripte und die Konfigurations-Datei für smb2www für den Amiga ein wenig anpassen. Hinweis: smb2www arbeitet nicht mit Samba 2.0 oder höher zusammen. Der Entwickler Remco van Mook arbeitet aber schon an einer neuen Version. n

Literatur:
[1] Damenwahl, John Crookshank und Volker Riehl, AMIGA Magazin 3/98, S. 27
[2] Samba in Miami, Jörn-Erik Burkert, AMIGA Magazin, 2/99, S. 26

Samba 1.9.x und Windows 98/NT

Wenn Sie Samba 1.9.x für den Amiga in Verbindung mit einem Rechner nutzen auf dem Windows 98 oder NT (Service Pack 4) läuft, dann können Sie beim Aufbau der Verbindung Probleme haben. Samba unterstützt erst ab Version 2.0 verschlüsselte Paßwörter und die beiden Versionen des Microsoft-Betriebssystems haben diese Funktion integriert. Für ein privates kleines Netzwerk mit zwei oder drei Rechnern benötigen Sie aber dieses Feature nicht. Man kann die Verschlüsselung für Paßworte in der Windows Regsitry abschalten. Suchen Sie mit regedit nach:

HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\Services \VxD\Vnetsup

und fügen Sie ein Dword mit dem Namen EnablePlainTextPassword. Setzen Sie den Wert für den Eintrag auf 1.


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Zuletzt aktualisiert am 30.April 1999.