AMIGA-Magazin · Ausgabe 6/04 · Software: »HardwareAssistent«

Aktuelles Heft 6/04

Fleißiges Helferlein

»Plug and Play« für den Amiga? Das ist kein Feature von AmigaOS 4, sondern mit »HardwareAssistent« komfortable Realität. Wir haben uns die »Software für die Hardware« angesehen.

von Hartwig Tauber
Aktuell
Die Homepage von »HardwareAssistent« stellt die aktuellen Listen für die Hardware-Erkennung bereit.

Die Meldung »Neue Hardware gefunden« kannten Amiga-Fans bislang nur von ihren Windows-Zweitrechnern. Denn was seit Windows 95 und damit seit ungefähr neun Jahren Realität ist, suchte man bisher beim noch viel älteren AmigaOS vergeblich: Ein Plug-and-Play-Feature, das neue Hardware automatisch erkennt, analysiert und die zugehörigen Treiber installiert.

Spät, aber trotzdem gerade noch rechtzeitig vor dem Erscheinen von »AmigaOS 4.0« hat der deutsche Amiga-Fan Norman Walter eine einfache, aber komfortable Lösung für den Amiga entwickelt. Das Software-Paket besteht im Prinzip aus einem kleinen Erkennungs-Tool. Zu dem noch knapp 60 Hardware-Beschreibungsdateien kommen, mit deren Hilfe die Erkennungs-Software die bekanntesten Amiga-Erweiterungen identifizieren kann.

Installation und Start

Nach der Installation bindet sich der HardwareAssistent in den Boot-Vorgang des Amiga ein und überprüft, ob neue Hardware installiert wurde. Ist das der Fall, meldet sich die Software mit einem Informationsfenster, in dem die Daten der erkannten Erweiterung angezeigt werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, den Treiber ­ sofern vorhanden ­ gleich zu installieren. Optional kann auch die neueste Version des Treibers aus dem Internet geladen werden, was den Komfort weiter erhöht.

Als Treiber kommt die üblicherweise mit der jeweiligen Hardware mitgelieferte Software zum Einsatz, das heißt, es sollten die entsprechenden Datenträger vorhanden sein. Alternativ dazu erhält man bei Entrichtung der Shareware-Gebühr auch eine CD-ROM, die aktuelle Original-Treiber zu vielen Amiga-Erweiterungen enthält. Und schließlich genügt in vielen Fällen der Klick auf »Download Driver« im Erkennungsfenster, um die notwendige Software aus dem Internet zu erhalten. Gerade für Amiga-Fans, die immer öfter gezwungen sind, am Gebrauchtmarkt ihre Hardware einzukaufen, sind die beiden letzten Methoden oft Gold wert, ist doch nicht mehr bei jeder Second-Hand-Karte auch Software dabei.
Komfortabel
Mit wenigen Mausklicks ist eine neu erkannte Hardware auf dem Amiga installiert

Intern verwaltet der HardwareAssistent zwei wichtige Verzeichnisse »Storage« und »Installed«. In der ersten Schublade werden die Beschreibungsdateien zu allen bisher unterstützten Erweiterungen gespeichert. Wird eine neue Hardware gefunden und der Treiber installiert, so wandert die Beschreibungsdatei in das Verzeichnis »Installed«. Damit betrachtet der HardwareAssistent seine Aufgabe für die jeweilige Karte als erledigt und gibt keine weiteren Installationshinweise.

Hardware im Detail

Dieses einfache Konzept macht deutlich, dass sich der HardwareAssistent als hilfreicher Zusatz zum AmigaOS sieht und nicht direkt in dessen Treiber- oder Verwaltungsmodell eingreift. Das Tool möchte lediglich dem Benutzer bei der Installation neuer Hardware unter die Arme greifen. Entsprechend einfach ist es auch, die Erkennung, bzw. den Erkennungsversuch einer Hardware zu unterbinden. Es genügt, entweder im Erkennungsfenster auf »Cancel« zu klicken und die Frage nach einer erneuten Erkennung der Hardware beim nächsten Start mit »No« zu beantworten. Oder man kopiert einfach die betreffende Hardware-Beschreibungsdatei in das »Installed«-Verzeichnis ­ schon akzeptiert der HardwareAssistent die Installation als abgeschlossen.

Ebenso einfach ist dadurch auch die »Neuinstallation« eines Treibers. Es genügt, die zugehörige Datei in »Installed« zu löschen ­ schon erkennt HardwareAssistent die Erweiterung beim nächsten Start, als wäre sie gerade erst eingebaut worden.

Bei den Hardware-Beschreibungen in »Storage« und »Installed« handelt es sich um so genannte »Driver Descriptors«. Sie enthalten nach einem fest vorgegebenen Format alle wichtigen Informationen zur Hardware und den Treibern.

Genaue Beschreibungen

Damit der »HardwareAssistent« eine neue Hardware korrekt in das System einbinden kann, benötigt das Programm einen so genannten »Driver Descriptor«. Dabei handelt es sich um eine Datei, die neben einer Beschreibung der Erweiterung auch den Pfad zum Installationsskript des notwendigen Treibers enthält. Auf Basis der Identifikationsdaten, die die »identify.library« liefert und den Informationen des Driver Descriptors kann der HardwareAssistent die jeweilige Erweiterung korrekt erkennen und die Installation durchführen.

Derzeit sind bereits knapp 60 Driver Descriptors zu allen wichtigen Amiga-Erweiterungen verfügbar. Neben den typischen Turbokarten und SCSI-Controllern sind auch viele Grafikkarten und Videoerweiterungen (z.B. die VLab-Serie) bereits erfasst. Selbst aktuelle Karten wie Highway werden bereits korrekt erkannt.

Amiga-Fans, die über eine Erweiterung verfügen, die noch nicht von HardwareAssistent erkannt wird, sollten sich nicht damit abfinden, sondern können das Projekt aktiv unterstützten. Das ist sehr einfach, denn es genügt, von der HardwareAssistent-Homepage den »Driver Descriptor Creator« herunterzuladen. Das kleine Tool erzeugt in wenigen, einfachen Schritten einen Driver Descriptor für die neue Hardware. Diesen sendet man einfach an den Projektbetreuer (hwa-support@amigaworld.de) und schon hat man damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung des HardwareAssistent geleistet. Alle aktuellen Driver Descriptors stehen im Internet zum Download bereit (http://hwa.amigaworld.de).

Die eigentliche Basis für die Hardware-Erkennung ist die »identify.library«, die bereits seit längerer Zeit für den Amiga verfügbar ist und das Auslesen von Informationen über Amiga-Erweiterungskarten ermöglicht. Da sich der HardwareAssistent vollständig auf die von dieser Library gelieferten Ergebnisse verlässt, werden dadurch auch alle Stärken und Schwächen übernommen. Glücklicherweise überwiegen dabei die Stärken, denn die »identify.library« ist in der Lage, nahezu jede Zorro- und Turbokarte, die sich entsprechend den Amiga-Spezifikationen korrekt in das System einbindet, zu identifizieren. Dies ist bei allen wichtigen Produkten der Fall, lediglich einige Uralt-Karten, die noch aus der Zeit der Kickstart 1.x stammen, fallen damit aus der Erkennung heraus. Einige Anwender berichten auch von Problemen mit Hardware-Modulen, die zusätzlich auf Erweiterungskarten aufgesteckt werden. Typische Beispiele sind SCSI-Controller auf diversen Turbokarten. Diese wurden vielfach gar nicht erkannt.

Ingesamt kann man jedoch davon ausgehen, dass ein großer Teil aller Zorro- und Turbokarten problemlos und korrekt identifiziert wird. Und da der HardwareAssistent als helfender Zusatz gedacht ist, ist eine Fehl- oder Nichterkennung einer Erweiterung kein Problem. Es steht weiterhin die Installation der Treiber per Hand zur Verfügung. Der HardwareAssistent kann die Installation problematischer Karten überspringen.

Walter Norman ­ der Autor von HardwareAssistent ­ hat sich dazu entschieden, sein Programm als Shareware zu vertreiben. Zwar sind die uneingeschränkte Version und die Driver Descriptors kostenlos im Internet verfügbar ­ wer einen aktiven Beitrag zur Weiterentwicklung des Plug-and-Play-Systems leisten möchte, sollte die Registrierung durchführen. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist sowieso exzellent. Hinzu kommt, dass man als registrierter User auch eine CD-ROM geliefert bekommt, die neben der Software selbst auch eine ganze Reihe von aktuellen Treibern für Amiga-Hardware enthält. Dadurch wird es möglich, Treiber direkt von der CD zu installieren, ohne dass man die Original-Disketten oder eine Verbindung zum Internet benötigt.

Fazit

Der HardwareAssistent ist eine wichtige und komfortable Erweiterung für den Amiga und bringt Plug-and-Play-Feeling. In dem Test machte es einfach Spaß ­ nach dem Einstecken einer Erweiterungskarte ­ gleich beim ersten Booten mit wenigen Mausklicks die notwendigen Treiber fast automatisch zu installieren. Und da der HardwareAssistent auch bei bereits fertig installierten Systemen nach der Installation eine komplette Erkennung durchführt, wurden »so nebenbei« gleich zwei Kartentreiber bei einem »Arbeits-Amiga 4000« auf den neuesten Stand gebracht.

Natürlich könnte man argumentieren, dass »echte Profis« den HardwareAssistent nicht brauchen, da man die Treiber ja auch von Hand installieren kann. Aber der Spaß, den man mit einem Computersystem hat, hängt in großem Ausmaß auch von der komfortablen Bedienung ab. Und gerade dieses war es, die unseren Amiga einmal groß und erfolgreich gemacht hat. In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass Norman Walter weiter fleißig an seiner Software arbeitet und die Amiga-Community durch immer neue Driver Descriptors und möglichst viele Shareware-Registrierungen den HardwareAssistenten zu einem fixen Bestandteil des Amiga macht.

lb

IInformationen:Hardware Assistant
WWW: http://hwa.amigaworld.de


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Zuletzt aktualisiert am 16.5. 2004.