In der Regel klappt die Installation von »AmigaOS 4« auf Rechnern mit PPC-Turbokarte einwandfrei. Aber was tun, wenn keine der Boot-Methoden klappt, »AmigaOS 4« nicht bootet oder das Bootmenü nicht sichtbar ist?
von Martin Steigerwald
Bei einem Amiga ist das interne Diskettenlaufwerk kaputt, bei einem anderen auf den Festplatten partout kein Bereich innerhalb der ersten 4 GByte frei und die Firmware des Controllers unterstützt den Start von dahinterliegenden Partitionen nicht. Ein Monitor zeigt das Bootmenü nicht, da es der Amiga entweder mit zu hohen oder zu niedrigen Frequenzen darstellt. Einige Tipps und Tricks helfen solche Klippen zu umschiffen. Das neue Betriebssystem lässt sich von »AmigaOS 4«-CD booten, um die Installation zu starten. Doch was ist, wenn der Controller nicht direkt von CD startet, das interne Diskettenlaufwerk nicht funktioniert oder der Start von einer »AmigaOS 3«-Installation aus nicht klappt? In einem solchen Fall ist es sinnvoll, erst einmal die offensichtlichsten Möglichkeiten zu probieren: Ersetzen Sie das interne Diskettenlaufwerk oder versuchen Sie den Start von einer frischen »AmigaOS 3.5/3.9«-Installation. Kopieren Sie als CD-ROM-Treiber das BootCDFilesystem von der »AmigaOS 4«-Bootdiskette in L oder von der «AmigaOS 4«-CD in BootFloppy/L nach L:CDFileSystem und verwenden Sie den DOSDriver von der AMIGA-Magazin-Webseite oder der nächsten Heft-CD. Verwenden Sie die im Installationsartikel [1] erwähnten Werte für Maxtransfer und Mask und probieren Sie ggf. ein anderes CD-Laufwerk.
Starten Sie HDToolBox, wählen Sie das Device für Ihren Festplatten-Controller (z.B. scsi.device) und klicken Sie auf »Ok«. Wählen Sie eine Festplatte mit freiem Speicherplatz für eine kleine Partition und klicken Sie auf »Festplatte partitionieren«. Die OS4-CD enthält 143,6 MByte – mit 200 MByte sind Sie auf der sicheren Seite. Die »AmigaOS-4-Installations-CD« verwendet lange Dateinamen. Installieren Sie daher ein Dateisystem mit Unterstützung für lange Dateinamen. Klicken Sie dazu auf »Hinzu./Updaten.«, um zur Liste der installierten Dateisysteme zu gelangen. Entfernen Sie alle Einträge für »SmartFilesystem« und »FastFilesystem« mit Klicks auf »Dateisystem löschen«. Mit »Dateisystem hinzufügen« bringen Sie die aktuellen Versionen der Dateisysteme auf die Festplatte. Diese finden Sie auf der Installations-CD unter System/L<P>. Geben Sie für das FastFilesystem unbedingt »0x444f5307« (DOS/7) als Kennung (DOS-Typ) an und für SmartFilesystem »0x53465300«. Verlassen Sie den Dialog mit »Ok«. Sie sehen wieder das Partitionierungsfenster und Ihre neu angelegte Partition ist aktiv. Klicken Sie auf »Verändern«, wählen Sie bei »Dateisystem« »DOS/7« oder »SFS/0«. Wählen Sie als Maxtransfer und Maske die im Installationsartikel empfohlenen Werte und als Blockgröße für FFS 1024 oder 2048 Byte und für SFS 512 Byte. Bei »Partition automatisch anmelden« sollte ein Häkchen stehen. Verlassen Sie Dialog mit »Ok« und geben Sie der Partition mindestens 500 Puffer. Starten Sie das System neu. Die Workbench sollte ein Piktogramm »OS4CD:Unformatiert« zeigen. Klicken Sie dieses einmal an und wählen Sie »Piktogramme/Disk formatieren« aus dem Menü. Alternativ starten Sie »Format« aus der System-Schublade und wählen das Laufwerk »OS4CD«. Vergewissern Sie sich anhand des Namen und der Größe, das richtige Laufwerk gewählt zu haben. Geben Sie als Datenträgername »AmigaOS4CD« o.ä. ein, nicht jedoch genau den gleichen Namen wie die Original-CD. Lassen Sie bei FastFilesystem »Internationaler Modus« und »Verzeichnis-Cache« ausgeschaltet, durch den DOS-Type »DOS/7« wählt das Dateisystem automatisch den passenden Modus. Klicken Sie auf »Schnell« zum Formatieren. Legen Sie nun die Installations-CD ein und kopieren Sie mit
Copy CD0: OS4CD: ALL CLONE QUIET Beim ersten Start von der »AmigaOS 4«-Partition lädt der Boot-Loader zunächst den Kernel sowie alle weiterem im Kickstart-Layout definierten Kernel-Module und startet dann das System neu. Der »AmigaOS 4 Kernel« bootet dann jedoch standardmäßig wieder von der Partition, von der Sie gewöhnlich starten. »AmigaOS 4« bietet eine elegante Möglichkeit, dies zu umgehen (s. Kasten »Die AmigaOS 4-Bootpartition festlegen« auf der nächsten Seite). MakeDir OS4CD:C Entfernen Sie die Installations-CD aus dem Laufwerk, starten Sie Ihren Amiga neu und halten Sie die linke und rechte Maustaste gedrückt, um ins Bootmenü zu gelangen. Klicken Sie auf »Boot Options...«, wählen Sie die Partition mit der Installations-CD als Boot-Laufwerk aus, klicken Sie auf »Use« und dann auf »Boot«. Der Boot-Loader lädt den »AmigaOS 4«-Kernel samt Modulen und nach einem Reset erscheint dann die Willkommensmeldung der kopierten Installations-CD. Ist diese Hürde genommen, fahren Sie mit der Installation fort wie im Artikel [1] beschrieben. Bei der Abfrage der Locale- und Tastatur-Einstellungen klicken Sie optional auf »Save« beziehungsweise »Speichern«. Als kleiner Bonus für die Mühen läuft die Installationsroutine direkt von Festplatte in der Regel schneller als von CD. Und sie haben so immer noch ein zweites System für etwaige Rettungsaktionen! Installieren Sie das erste Update für »AmigaOS 4« auf Ihrer Installations-Partition, wenn Sie gleich die aktuelle Version installieren möchten. Die naheliegende Lösung ist, in den ersten GByte einer Festplatte durch umkopieren und umpartitionieren Raum für eine »AmigaOS 4«-Partition zu schaffen. Doch es gibt auch andere, mitunter weniger zeitaufwändige Alternativen: Das 4-GByte-Limit gilt nämlich nur unter bestimmten Umständen. So unterstützt der Treiber in der Firmware des »CyberStorm PPC UWSCSI«-Controllers den Phase 5/DCE-Standard TD64, um auf Bereiche außerhalb der ersten 4 GByte zuzugreifen. Der Treiber für den FastATA-Controller unterstützt neben TrackDisk 64 (TD64) auch »New Style Devices« (NSD), den offiziellen Standard seit »AmigaOS 3.5«. Die mitgelieferten 68k-Dateisysteme »FastFilesystem« und »SmartFilesystem« unterstützen sowohl NSD als auch TD64. Daher ist es in der Regel ohne Probleme möglich, AmigaOS auf einer am »CyberStorm PPC UWSCSI«- oder FastATA-Controller angeschlossenen Festplatte auf eine Partition hinter den ersten 4 GByte zu starten. Aber auch, wenn Sie »AmigaOS 4« auf einer an internen IDE-Controller angeschlossenen Festplatte außerhalb der ersten 4 GByte installieren möchten, gibt es Möglichkeiten »AmigaOS 4« zu starten. Da das in »AmigaOS 4« enthaltene scsi.device NSD bereits unterstützt, müssen Sie dazu nur den Weg bis zum Laden des »AmigaOS 4«-Kickstarts überbrücken. Seit »AmigaOS 3.5« lädt SetPatch mithilfe des AmigaOS-ROM-Updates eine neue Version des scsi.device in den Speicher, die NSD ebenfalls unterstützt. So verwenden Sie »AmigaOS 3.9«, um »AmigaOS 4« zu starten: Booten Sie »AmigaOS 3.9«, führen Sie mit Ctrl-Amiga-Amiga einen Neustart aus und wählen Sie die »AmigaOS 4«-Partition aus dem Bootmenü. Diese Methode sollte mit »AmigaOS 3.5« im Prinzip auch funktionieren, wurde aber in der Praxis nicht getestet. Die Redaktion empfiehlt »AmigaOS 3.9« mit BoingBags.
Protect S:Start-AmigaOS4 +s Bei Problemen fügen Sie »Set Echo ON« am Anfang des Skriptes ein, um genauer zu sehen, bei welchen Befehl es hakt, und passen Sie das Skript eventuell an oder senden eine Mail mit einem ausführlichen Fehlerbericht an die AMIGA-Magazin-Redaktion. Funktioniert das Skript, installieren Sie das praktische Tool »GetMouseInput«, mit dem Sie bereits während des Bootens die Maustasten abfragen. Entpacken Sie das Archiv, kopieren Sie »GetMouseInput« nach C: und setzen Sie mit Protect C:GetMouseInput +e C:GetMouseInput LOCAL Verwenden Sie dabei in der Zeile mit dem Execute-Befehl statt OS4: den Namen Ihrer »AmigaOS 4«-Partition. Starten Sie Ihren Amiga neu und halten Sie am Anfang der Boot-Sequenz Ihres »AmigaOS 3.9« die linke Maustaste gedrückt. Ist das »AmigaOS 3.9«-ROM-Update bereits geladen, startet das Skript sofort von der »AmigaOS 4«-Partition. Ansonsten lädt es erst das ROM-Update und startet dann nochmal neu. Halten Sie danach erneut die linke Maustaste gedrückt, um das Startskript erneut zu auszuführen.
Ist der »AmigaOS 4«-Kickstart erst einmal geladen, wählen Sie die »AmigaOS 4«-Partition aus dem Bootmenü von »AmigaOS 4« aus. Oder greifen Sie auch hier auf den Trick mit »Kickstart/BootDevice« zurück – weitere Informationen finden Sie im Kasten »Die AmigaOS 4-Bootpartition festlegen«. Anstatt der linken Maustaste verwenden Sie alternativ die rechte Maustaste (Wert: 2), die mittlere Maustaste (4) oder eine Kombination von mehreren Maustasten, z.B. 5 für die linke und die rechte Maustaste (4+1). So sind bei Bedarf auch mehrere Installationen von »AmigaOS 4« ansprechbar. Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Auch unter »AmigaOS 4« funktionieren gängige NoClick-Tools für Diskettenlaufwerke wie die Shell-Befehle DrivePrefs, WildClick, AntiClick oder das Commodity NoClick. Das Ausschalten des Klickens kann jedoch bei einigen Laufwerken für Probleme sorgen. Hier gilt die Faustregel: Haben die Tools bisher funktioniert, klappt es auch in Kombination mit »AmigaOS 4«. Eine andere Möglichkeit besteht darin, in das Laufwerk eine nicht-bootfähige Diskette zu legen. lb Literatur:
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Zuletzt aktualisiert am 28.06.2008.