AMIGA-Magazin · Ausgabe 5/03 · Netzwerke: FTP-Software

Aktuelles Heft 5/03

Dateientausch

Das FTP-Protokoll erlaubt es, mit einfachen Mitteln resourcenschonend Dateien von einem Computer zu einem anderen Computer über das Netzwerk zu übertragen. An dieser Stelle gibt es Informationen zum Protokoll und passende Programmen.

von Martin Steigerwald

Alles lokal:
AmiTradeCenter überträgt gerade eine Datei auf dan lokalen FTP-Server, der von RCFTPd bereitgestellt wird.
Wer zwei oder mehr Computer in einem Netzwerk untereinander verbindet, beabsichtigt dabei in der Regel, Informationen zwischen diesen Computern auszutauschen. Sehr häufig handelt es sich bei diesen Informationen schlicht und ergreifend um Dateien, die von einem Computer zu einem anderen Computer übertragen werden sollen.

Es gibt verschiedene Lösungen für diese Aufgabe: Für AmigaOS empfiehlt sich die Netzwerk-Software »Envoy«. Sie erlaubt es, zwischen Amigas Dateien auf einfachste Weise auszutauschen oder übers Netzwerk zu drucken. Man mountet einfach ein freigegebenes Verzeichnis und arbeitet damit wie mit einem lokalen Verzeichnis. Das funktioniert sogar für Disketten und CDs. Envoy ist eine sehr schlanke, schnelle, resourcenschonende Software. Ideal geeignet für den Dateientausch, solange nur Amigas ­ ob nun in Hardware oder als Amithlon auf einem PC ­ beteiligt sind. Mit anderen Betriebssystemen kommuniziert die Software nicht. Envoy setzt direkt auf SANA-II auf und ist daher auf Emulatoren nur dann einsetzbar, falls ein SANA-II-Treiber existiert (z.B. Amithlon).

Die Open-Source-Lösung Samba, das für viele verschiedene Betriebssysteme wie Linux, AmigaOS und MacOS X verfügbar ist, implementiert das SMB-Protokoll (Server Message Block), das von Windows verwendet wird. Es ist auch unter dem Namen Common Internet Filesystem, CIFS, oder NetBIOS-Protokoll genannt. Es eignet sich besonders dann als Lösung zum Dateientausch, wenn Windows-Maschinen beteiligt sind.

Samba ist sehr resourcenhungrig und bietet eine fast unüberschaubare Vielfalt an Optionen. Dies zeigt sich beispielhaft, wenn man bei der manuellen Installation von Samba dessen Konfigurationsdatei »smb.conf« anpasst. Für Unix- und Linux und weitere Betriebssysteme gibt es zudem Lösungen, die auf dem NFS-Protokoll (Network file system) basieren. Es gibt auch für den Amiga einige, allerdings mittlerweile ziemlich veraltete NFS-Implementierungen. Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer auf Netzwerk basierende Dateisysteme mit mehr oder weniger modernen Ansätzen, die aber nicht für den Amiga portiert sind.

Welcher Ausweg bleibt also, wenn man nicht nur mit Amigas Dateien tauschen möchte, Samba jedoch wegen der aufwändigen Konfiguration und des hohen Resourcenverbrauchs nicht verwenden möchte?

Einfach nur Dateien übertragen
Das FTP-Protokoll ist eines der ersten Protokolle, die zum Austausch von Daten eingesetzt wurden und werden. Bereits 1971 wurde ein Vorläufer des FTP-Protokolls vom Massachusetts Institute of Technology (MIT, s. [1]) eingesetzt, um zwischen zwei Computer-Urgesteinen Dateien zu übertragen. Dies ist im RFC-Dokument 114 (Request for comments) ausführlich beschrieben (s. [2]). Seitdem wurde das Protokoll mehrfach überarbeitet, bis es 1973 im RFC 454 »offiziell« als FTP-Protokoll spezifiziert wurde (s. [3]). Die aktuelle Spezifikation mitsamt einer Übersicht der Entwicklung ist in RFC 959 dargelegt (s. [4]).

Beim FTP-Protokoll gibt es, wie bei den meisten anderen Protokollen zum Übertragen von Dateien zwischen zwei Computern, die Unterscheidung zwischen Server und Client. Server und Client kommunizieren miteinander, um Dateien zu übertragen. Der Server liefert die Dateien aus, die der Client anfordert. Der Client kann auch eine Auflistung des aktuellen FTP-Verzeichnisses anfordern, in andere Verzeichnisse wechseln und je nach Berechtigung auch Dateien auf den Server laden. Die Server- und die Client-Funktionalität werden durch unterschiedliche Programme realisiert. Client und Server kommunizieren dabei über einen fest definierten Satz an Befehlen, der in den RFC-Dokumenten festgelegt ist.

FTP-Programme
Ein FTP-Programm implementiert die Clientseite. Es gibt FTP-Programme mit Textoberfläche, wie in der Anfangszeit des FTP-Protokolls üblich. Sie werden auch heute noch verwendet. Fast jedes Betriebssystem, jeder TCP/IP-Stack wird mit dem einfachen »ftp«-Befehl ausgeliefert. »NcFTP« ist ein weiteres bekanntes Kommandozeilen-Programm. Beide gibt es auch für AmigaOS.

FTP-Server komfortabel:
Laut RCFTPd sind gerade zwei USER online, von denen einer eine Datei überträgt.

Es gibt jedoch auch eine Vielfalt an Programmen mit grafischen Oberflächen. Für AmigaOS gibt es eine ganze Reihe solcher FTP-Programme: »AmiTradeCenter«, »AmFTP«, »mFTP II«, dem Nachfolger von »AmFTP«, und »SimpleFTP« sind einige Beispiele. AmiTradeCenter ist ein sehr leistungsfähiges Programm, das ebenso wie mFTP II von Vaporware den speziellen ADT-Modus (AmiNet Download Tool) für AmiNet-Server unterstützt. Dieser erleichtert den Download neuer und älterer AmiNet-Dateien erheblich. Auch das offenbar nicht mehr registrierbare AmFTP unterstützt den ADT-Modus. SimpleFTP ist ein einfach zu bedienendes Sharewareprogramm. Alle diese Programme verwenden das komfortable MUI als ihr Oberflächensystem.

Und dann gibt es noch FTPMount: Als waschechter AmigaDOS-Handler implementiert dieses Programm das FTP-Protokoll als Dateisystem. Sie brauchen also kein gesondertes FTP-Programm zum Übertragen von Dateien, sondern können jede beliebige Software verwenden, die Dateien laden oder speichern kann. Mit Einschränkungen, die teilweise durch das FTP-Protokoll und teilweise durch FTPMount bedingt sind, verhält sich das von FTPMount eingebundene FTP-Verzeichnis wie ein lokales Verzeichnis. Sie können mit der Workbench, »Directory Opus« oder auch mit einer Shell Dateien übertragen, FTP-Verzeichnisse auflisten oder auf dem Server Dateien löschen.

FTP-Server
Ein FTP-Server ist in der Regel ein Programm, das eine Konfigurationsdatei ausliest, dann im Hintergrund läuft und wartet, bis jemand einen Befehl schickt. Es gibt ganz einfache FTP-Server, die nur die Basisfunktionalität implementieren, wie auch sehr komplexe Programme, deren Konfigurationsdateien mit der Samba-Konfigurationsdatei in Sachen Optionenvielfalt gut mithalten können. Praktischerweise gibt es für AmigaOS einige einfach aufzusetzende Server. Viele FTP-Server für AmigaOS sind allerdings schon ziemlich alt.

FTP-Software
Clients  

AmiTradeCenter

http://amitradecenter.net/
FTPMount http://www.martin-elsner.de/text/amcla.html
mFTP II http://www.vapor.com/mftp/
SimpleFTP Aminet: comm/tcp/SimpleFTP.lha
   
Server  
LS-FTPD http://www.bugss.org/lsftpd/ls-ftpd_eng.html
mlftpd Aminet: comm/tcp/mlftpd_14.lha
RcFTPD Aminet: comm/tcp/rc-ftpd.lha

Ein neueres Programm ist »RcFTPD«, das sich leicht zu installieren lässt und über eine komfortable grafische Oberfläche verfügt. Für die vorliegende Version 2.74 des Shareware-Programms von Robin Cloutman liegt ein freies Keyfile bei. Auch »LS-FTPD« verfügt über eine umfangreiche MUI-Oberfläche. Es handelt um eine Beta, die seit 1997 nicht mehr weiterentwickelt wurde. »OrangeFTPd« muss man nur starten (s. [5]).

Daneben gibt es noch einige mehr oder weniger leicht zu installierende Varianten, die in klassischer Weise eine auf Text basierende Konfigurationsdatei einlesen und keine grafische Oberfläche anbieten, wie z.B. »wu-ftpd«. Die meisten FTP-Server für den Amiga scheinen entweder nicht ganz fertig oder eben recht alt zu sein. Client und Server können auf einem einzigen Computer laufen ­ praktisch für Testzwecke oder wenn man auf jedem Computer einen Server laufen lassen möchte. Es reicht zunächst, auf einem Computer einen Server und auf dem anderen einen Client zu installieren. Spätestens jedoch, wenn man auf beiden Computern Verzeichnisse freigeben möchte, muss man auf beiden Systemen einen FTP-Server installieren. Wenn man mehr als zwei Systeme vernetzen möchte, kann man natürlich auch einen Computer aussuchen, der als FTP-Server und damit als Austausch-Station für Dateien fungiert.

Ein unsicheres Protokoll?
Die FTP-Übertragung läuft unverschlüsselt ab. Das schließt auch die Übertragung des Benutzernamens und des Passworts zur Anmeldung an einem FTP-Server ein! Unter AmigaOS laufende Server sind grundsätzlich nicht so sicher, wie Server die auf einem Betriebssystem mit Mehrbenutzer-Fähigkeit laufen. Überlistet jemand den Server hat er ein leichtes Spiel, besonders wenn er Zugriff auf eine AmigaDOS-Shell erhält. Wenn Sie Ihr LAN mit dem Internet verbinden, sollten Sie darauf achten, dass auf die im lokalen Netz installierten FTP-Server nicht zugegriffen werden kann. Es macht Sinn, den Amiga vom Internet abzuschotten. IP-Filter oder ein externer Router mit Firewall sind weitere Möglichkeiten.

Literatur:
[1] MIT, WWW: http://web.mit.edu/
[2] RFC 114, WWW: http://www.ietf.org/rfc/rfc114.txt
[3] RFC 454, WWW: http://www.ietf.org/rfc/rfc454.txt
[4] RFC 959, WWW: http://www.ietf.org/rfc/rfc959.txt
[5] Datei gefällig?, Martin Steigerwald, Amiga Magazin 12/2001

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Zuletzt aktualisiert am 28. 03. 2003.