AMIGA-Magazin · Ausgabe 4/02 · Workshop: Entpack-System xad

Aktuelles Heft4/02

Entpackt alles

XAD ist ein flexibles Entpack-System für Datei- und Disketten-Archive sowie Disketten und deren Disketten-Images. Das im
AmigaOS 3.9 enthaltene Entpackprogramm »UnArc« verwendet XAD, um Archive zu entpacken. Doch XAD kann noch so viel
mehr. Lernen Sie weitere Möglichkeiten kennen, XAD einzusetzen.

von Martin Steigerwald

Musikalische LhA-Archive:
Das DeliGenie "Decruncher" nimmt sich die erste abspielbare Datei aus einem LhA-Archiv heraus und bietet sie DeliTracker zum Abspielen an.

XAD, das Anfang 1999 in einer ersten vollständig lauffähigen Version erschien, besteht aus der xadmaster.library und den internen und externen Clients. Die internen Clients befinden sich in der xadmaster.library, die externen als einzelne Dateien im Verzeichnis »Libs:xad«.

Die Library stellt dabei Funktionen zur Verfügung, die für Entpacker oder Dateisysteme die XAD unterstützen. Deshalb sollte man jedem Client die für ihn notwendigen Funktionen implementieren. So implementiert ein Entpacker-Client die Funktionen, ein Archiv zu entpacken oder dessen Inhalt aufzulisten. Dabei bekommt er von der xadmaster.library alle möglichen Hilfen zur Verfügung gestellt. Analoges gilt für die Dateisysteme.

Es wird andererseits auch erwartet, dass jeder Client bestimmte Regeln einhält und Funktionen der Haupt-Library aufruft. Das führt dazu, dass die Schnittstelle zu jedem Client gleich aufgebaut ist: Es ist für Sie als Nutzer eines Programmes, das XAD unterstützt, wie z.B. UnArc, völlig irrelevant, ob nun ein LhA-, ein LZX- oder ein ZIP-Archiv entpackt wird.
Nicht alle Programme, die XAD verwenden, nutzen jedoch alle Features von XAD. So ist UnArc bislang nicht in der Lage, mit Disketten-Images, wie z.B. die beliebten ADF-Dateien, die bei Amiga-Emulatoren Verwendung finden, umzugehen. Wir zeigen ihnen dennoch, wie Sie sowohl ADF-Images erzeugen, als auch wieder auf eine (virtuelle) Diskette schreiben können. Doch dazu später mehr.

Modularer Aufbau
Der modulare Aufbau von XAD bietet weitere Vorzüge: Die Clients können in der Regel über den Fortschritt beim Entpacken eines Archivs ebenso informieren, wie auch einfach nur den Inhalt eines Archives auflisten. Bei UnArc sind diese Features in eine gefällige ReAction-Oberfläche verpackt!
Doch es ist auch möglich, XAD mit Shell-Befehlen anzusteuern. Hier offenbart sich ein weiterer Vorzug der modularen Architektur: Als Anwender können Sie entscheiden, welches Programm Sie verwenden, um Archive zu entpacken. Als Entwickler können Sie leicht ihr eigenes Entpacker-Programm schreiben oder Ihrer Anwendung Entpack-Support hinzufügen, ohne sich selbst mit den Einzelheiten des Entpackens von Archiven vertraut zu machen.

Ganz leicht:
Bei der Archiv-Unterstützung zeigt sich der Dateimanager ClassAction von seiner besten Seite. Einfach ein Archiv doppelt anklicken, und es wird geöffnet.

So bieten eine ganze Anzahl von Anwendungen XAD-Support: »CheckX« nutzt die xadmaster.library und die xvs.library, die für das Erkennen von Viren zuständig ist und von vielen Virenkillern verwendet wird, um z.B. die Archive in Ihrem Download-Verzeichnis vor dem Öffnen auf Virenbefall zu testen.


»DeliDecrunch« bietet die Möglichkeit, direkt aus dem DeliPlayer in Archive verpackte Module abzuspielen: So können Sie ein Musikmodul aus dem AmiNet anhören, ohne vorher das LhA-Archiv, in dem es steckt, manuell zu entpacken (s. »Musikalische LhA-Archive«).


Der Dateimanager »Class Action« handhabt mit Hilfe von XAD Archive wie ganz normale Verzeichnisse (s. »Ganz leicht«). Wer »Directory Opus Magellan 5« verwendet, kann entweder mit »XADopus« oder mit »ArcDir_xad« auch Directory Opus diese Fähigkeit verleihen.


»Voodoo-X« ist eine Anwendung, die wie »UnArc« einfach nur das Entpacken von Archiven erlaubt. Dabei bietet es jedoch jeden erdenklichen Komfort: So können Sie z.B. direkt auf Dateien in einem Archiv, das sich innerhalb eines anderen Archivs befindet, das sich innerhalb eines weiteren Archivs befindet usw. zugreifen. Zudem werden direkt auf Disks basierende Archive unterstützt. Das funktioniert mit »UnArc« von AmigaOS 3.9 zur Zeit nicht. Schließlich können Sie, wie mit CheckX, direkt in den Dateien eines Archivs nach Viren suchen.

Zudem gibt es mit »Next« noch einen sehr leistungsfähigen Textanzeiger, mit dem man via XAD-Unterstützung direkt Dateien aus Archiven lesen kann. Sie wählen die gewünschte Datei aus dem Archiv aus und Next erledigt den Rest (s. »Angenehm«). Auch »AMPlifier«, der beliebte MPEG3-, AIFF- und WAV-Abspieler, der auch mit AmigaOS ausgeliefert wird, unterstützt ab Version 2.30 XAD zum Entpacken von gezippten Skin-Archiven, wie sie für WinAMP üblich sind. Eine entsprechende Version ist bereits im AmiNet erhältlich, ist auf der AmigaOS-XL-CD und wird in Boing Bag 3.9-2 enthalten sein.
Doch lockern Sie nun die Theorie durch ein paar praktische Übungen auf! Soweit nicht anders erwähnt, können Sie die hier beschriebenen Anwendungsmöglichkeiten mit dem XAD, das in AmigaOS 3.9 enthalten ist, nachvollziehen. Einige Operationen verlangen hingegen Version 11 von XAD, die vor kurzem erschienen ist. Nicht jede Option und nicht jedes Detail wird beschrieben: XAD kommt mit einer ausgezeichneten auch in deutscher Sprache erhältlichen Dokumentation, deren Lektüre wir nur empfehlen können. Mit ihrer Hilfe können Sie so mehr über die hier aufgezeigten grundsätzlichen Möglichkeiten von XAD erfahren.

Kommen wir zum ersten einfachen Beispiel, wie Sie XAD via Shell ansprechen können: Mit dem einfachen Befehl »xadLibInfo« können Sie sich anzeigen lassen, was XAD so alles kann. Sie erhalten eine vollständige Liste aller externen und internen Clients (s. »Zeig, was Du kannst!«).
Nähere Informationen über viele XAD-Clients erhalten Sie in der Amiga-Guide-Datei »xadclients«. Diese lassen Sie sich am besten mit Hilfe des Programms Voodoo-X auf dem Screen anzeigen. Dieses Tool bietet eine komfortablere Variante von »xadLibInfo« und verwendet dazu zusätzlich die Informationen aus der AmigaGuide-Datei (s. »Clients stellen sich vor«).

Erste Schritte

Angenehm:
Der Textanzeiger "Next" kann per XAD direkt Dateien aus Archiven anzeigen.Es unterstützt auch das Einbinden externer Entpacker.

Die einfachste und offensichtlichste Anwendung von XAD ist natürlich mittels UnArc- oder Voodoo-X Dateien zu entpacken oder ein Programm zu verwenden, das XAD ohne Zutun des Benutzers transparent unterstützt. Wenn Sie also ein unbekanntes Archiv bekommen, dann versuchen Sie es ruhig erst einmal mit UnArc oder Voodoo-X zu entpacken. Anders als UnArc unterstützt Voodoo-X auch direkt Disketten-Archive und Disketten-Images sowie Entpacken von Archiven in Archive. Wenn etwas mit »UnArc« nicht geht, macht es also Sinn, es noch einmal mit »Voodoo-X« auszuprobieren. Die Möglichkeiten von »UnArc« und »Voodoo-X« lernen Sie am besten kennen, indem Sie einfach Dateien verschiedener Archivtypen damit entpacken.

Doch gehen wir auf die Möglichkeiten ein, die nicht so offensichtlich sind und die sich mitunter erst ergeben, wenn man sich an die Arbeit mit einer Amiga-Shell heranwagt. Natürlich können Sie mit den XAD-Shell-Befehlen auch einfach nur Archive entpacken oder deren Inhalt auflisten. Ein Beispiel: So listet der einfache Befehl

xadUnFile DeliDecrunch.lha LIST

den Inhalt der gleichnamigen Archiv-Datei auf. Wenn Sie die Option »LIST« durch ein Ziel-Verzeichnis ersetzen, wird das Archiv stattdessen dorthin entpackt. Praktischerweise funktioniert das nicht nur mit LhA-Dateien, sondern mit allen Datei-Archiv-Typen, die xad unterstützt. So brauchen Sie nicht die Parameter verschiedenster Entpack-Programme zu lernen. Mit Hilfe der Option »FILE« können die xadUnFile mitteilen, nur bestimmte Dateien aus einem Archiv zu entpacken.

xadUnFile Next3.1.lha RAM: FILE #?.guide

würde zum Beispiel nur die deutsch- und englischsprachigen AmigaGuide-Anleitungen, die im Next-Archiv enthalten sind, entpacken.
Sie können mit »xadUnFile« jedoch auch Disketten-Archive oder Disketten-
Images entpacken. Diese werden dann dateiweise in ein beliebiges Verzeichnis entpackt ­ praktisch für den schnellen Zugriff in einer solchen Datei enthaltenen Dateien, ohne sie auf Diskette zu entpacken. So entpackt der Befehl

xadUnFile Disketten-Archiv.dms RAM: DARC

Zeig, was du kannst
Wie am Rollbalken zu sehen, unterstützt XAD viele verschiedene Archiv-Formate.

ein Disketten-Archiv Ihrer Wahl dateiweise in die RAM-Disk. Wichtig ist dabei, dass Sie die Option »DARC« (lang: »DISKARCHIVE«) angeben, damit xadUnFile weiß, dass es sich um ein Disketten-Archiv handelt. Die automatische Erkennung, wie xadmaster. library und Clients sie unterstützen, will Dirk Stöcker (Entwickler von XAD) evtl. in einer späteren Version in »xadUnFile« einbauen. Wenn es sich um ein Disketten-Archiv mit einem gültigen von XAD unterstützten Dateisystem, wie z.B. FastFilesystem und seit XAD V11 auch SmartFilesystem, handelt, kann XAD dateiweise entpacken.
Auch Disketten-Images, Dateien, die eine komplette Diskette Track für Track ungepackt enthalten, kann XAD entpacken. Dazu gehören z.B. die beliebten ADF-Dateien, die unter Emulatoren immer wieder zum Einsatz kommen.

xadUnFile Diskette-Image.adf RAM: DIMG

Diesmal geben Sie allerdings »DIMG« (lang: DISKIMAGE) an, damit XAD von einem Disketten-Image ausgeht. Auch hier folgt in einer späteren Version evtl. eine automatische Erkennung.
Was ist aber, wenn Sie Disketten-Archive oder Images auf richtige oder virtuelle Disketten entpacken wollen und zwar nicht dateiweise, sondern Spur für Spur? Dazu dient der Befehl »xadUnDisk«.

xadUnDisk Disketten-Archiv.dms DF0:

würde also das entsprechende DMS-Archiv nicht dateiweise entpacken, sondern Spur für Spur auf eine formatierte Diskette in Laufwerk »DF0:« schreiben. Analog entpackt folgender Befehl ein Disketten-Image:

xadUnDisk Disketten-Image.adf DF0: DIMG

Auch hier ist wieder der Parameter »DIMG« erforderlich. Wenn Sie den Parameter weglassen, fragt »xadUnDisk« zumindest nach, ob es die Datei wie ein Disketten-Image behandeln soll.

Virtuelle Disketten

Clients stellen sich vor
In xadclients.guide erhalten sie Infos zu den von XAD unterstützten Archiformaten

Wenn Sie diese Beispiele gerne nachvollziehen möchten, jedoch nicht immer eine echte Diskette beschreiben möchten, können Sie sich auf ihrem Amiga ein sehr schnelles virtuelles Disketten-Laufwerk einrichten. Sehr gut eignet sich dafür die Software FMS ­ fmsdisk.device. Dies ist ein Gerätetreiber, der ein ganz normales Amiga-Floppy-Laufwerk nachahmt, jedoch die Daten nicht auf eine echte Diskette, sondern in eine Datei schreibt. Praktischerweise ist diese Datei auch noch zu den hier erwähnten Disketten-Images kompatibel, denn auch Sie enthält nichts weiter als Spur für Spur die Daten der Diskette.

Zum schnellen Ausprobieren von FMS entpacken Sie das FMS-Archiv, gehen Sie in einer Shell in das soeben entpackte Verzeichnis »FmsDisk/Devs«, und tippen Sie die folgenden Befehle ein:

copy fmsdisk.device DEVS:CLONE
Assign FMS: Work:FMS
Mount FF0: FROM Mountlist


»FMS:« zeigt dabei auf ein Verzeichnis, in dem FMS für jede Unit eine Datei schreibt, die den Inhalt einer Diskette enthält. Weisen Sie »FMS:« einfach ein leeres Verzeichnis auf Ihrer Festplatte zu, das nur von FMS verwendet wird. Für eine permanente Installation von FMS schreiben Sie den Assign-Befehl in die »User-Startup«. Dann erstellen Sie einen »DOSDriver«, indem Sie aus der mitgelieferten »Mountlist«-Datei, wie man Sie unter AmigaOS 2.04 oder früher noch verwendete, den Text ausschneiden, der zwischen »FF0:« und dem darauffolgenden »#« steht (s. »Schnelle Disketten«). Diesen Text schreiben Sie in eine Datei in das Verzeichnis »SYS:Storage/DOSDrivers«. Der Name der Datei bestimmt den Namen des Gerätes, z.B. »DD0« für das erste virtuelle DD-Laufwerk.
Öffnen Sie nun das Verzeichnis »SYS:Storage/DOSDrivers« mit der Workbench, lassen Sie sich alle Dateien anzeigen und öffnen Sie für die soeben erstellte DOSDriver-Datei das Piktogramm-Informationsfenster der Workbench, um via Drag&Drop die DOSDriver-Datei mit einem Piktogramm zu versehen. Verwenden Sie einfach eines der anderen DOSDriver-Piktogramme aus dem Verzeichnis. Mit einem Doppelklick wird das neue Laufwerk dann angemeldet. Wenn Sie die DOSDriver-Datei nach »DEVS:DOSDrivers« verschieben, geschieht dies beim Start ihres Amigas automatisch.

Informationen: Software und Bezugsquellen
XAD
XAD http://www.dstoecker.de
  AmiNet: util/misc/xadmaster020.lha
XAD für Entwickler AmiNet: util/misc/xadmasterdev.lha
XAD-Anwendungen
MPlifier 2.33 http://www.katodev.de/deutsch/software.html
CheckX AmiNet: util/arc/CheckX.lha
ClassAction 4.31 AmiNet: util/wb/classaction.lha
DeliDecrunch AmiNet: mus/play/DeliDecrunch.lha
Next http://www.andreasneumann.de/software/
next/download/Next3.1.lha
Voodoo-X AmiNet: util/arc/Voodoo-X.lha
Directory Opus und XAD
ArcDir_xad AmiNet: biz/dopus/ArcDir_xad.lha
XADopus AmiNet: biz/dopus/XADopus.lha
Virtuelle Disketten
fmsdisk.lha AmiNet: disk/misc/fmsdisk.lha
HfMounterMUI AmiNet: disk/misc/2bHFMounterMu.lha
HFMounter AmiNet: disk/misc/HFM2_2.lha
VF2000 AmiNet: disk/misc/VF2000.lha
Sonstiges
xadclients-Guide AmiNet: docs/hyper/xadclients.lha
XFD http://www.dstoecker.de
  AmiNet: util/pack/xfdmaster.lha
XpkArchive AmiNet: util/arc/XpkArchivePack.lha
XVS AmiNet: util/virus/xvslibrary.lha

Liste Stand 31. Januar 2002

FMS unterstützt mehrere solcher Laufwerke sowie auch Laufwerke, die HD-Disketten unterstützen. Um z.B. ein Laufwerk für HD-Disketten zu erzeugen, kopieren Sie die soeben erstellte DOSDriver-Datei, und geben Sie ihr einen neuen Namen, z.B. »HD0«. Editieren Sie sie jetzt noch mit EditPad oder einem anderen Texteditor, um FMS klar zu machen, dass es HD-Disketten nachahmen soll: Suchen Sie nach der Zeile »BlocksPerTrack« und verdoppeln Sie den Wert »11« auf »22«. Zudem müssen Sie den Wert bei »Unit« auf 1 ändern. Sie können jede Unit nur einmal verwenden. Jede Unit des »fmsdisk.device« repräsentiert ein virtuelles Floppy-Laufwerk mit einer nicht wechselbaren Diskette als Datei gespeichert.

Ein Doppelklick später ist dann ihr zweites virtuelles Disketten-Laufwerk angemeldet. FMS ist übrigens nicht nur auf die Größe von Disketten beschränkt. Mit einem hohen Wert für »HighCyl«, für eine große Anzahl von Spuren / Zylindern, können Sie auch eine kleine virtuelle Festplatte nachahmen. Sie sollten jedoch aus Sicherheitsgründen nicht über 2 GByte gehen, denn FMS stammt noch aus der Zeit vor den großen Festplatten. Geeignete DOSDriver-Dateien für FMS finden Sie auf der nächsten Amiga-Magazin-CD. Oder aber Sie verwenden den HFMounter, um mittels einer grafischen Oberfläche virtuelle Disketten anzulegen.

Nachdem Sie ein virtuelles Laufwerk angemeldet haben, sollten Sie es, wie bei einer normalen Diskette auch, zunächst einmal formatieren. Wenn Sie auf der Workbench direkt nach dem Anmelden kein Disketten-Piktogramm für das neue Laufwerk sehen, dann Formatieren Sie die Diskette, indem Sie das »Format«-Programm in der Schublade »System« ihres Boot-Laufwerks doppelt anklicken, und dann das passende Gerät aus der Liste auswählen (s. »Initialisieren«). Achten Sie dabei darauf, wirklich das richtige Gerät und nicht etwa eine Festplatten-Partition mit wertvollen Daten auszuwählen. Es sollte 880KByte oder 1760KByte an Kapazität aufweisen und unformatiert sein. Dies erkennen Sie daran, dass Format nicht anzeigt, wieviel Platz auf dem Laufwerk belegt ist. Sie können Format natürlich auch direkt als Shell-Befehl verwenden.
Nun können Sie das Laufwerk wie »DF0:« nutzen. Nur Diskettenwechseln ist nicht so leicht möglich. Sie könnten die entsprechende Datei für das Disketten-

Image austauschen und es mit dem »Diskchange«-Befehl versuchen, aber im Prinzip ist das nicht notwendig. Das Entpacken und Erzeugen von Disketten-Images via XAD geht mit virtuellen Laufwerken so schnell, dass Sie Ihre virtuellen Disketten nicht aufheben müssen. FMS dient in erster Linie als Werkzeug, um Disketten-Archive und Disketten-Images einfach zu entpacken. Anstatt von »DF0:« geben sie nun je nach gewählten »FF0:«, »DD0:« usw. an.
Das ist in Verbindung mit Amiga-Emulatoren besonders praktisch: Erstellen Sie einfach von ihren alten Amiga-Disketten ADF-Dateien, schieben Sie diese auf den Emulator, und entpacken Sie sie dort in ein virtuelles Disketten-Laufwerk. Das sollte bei allen Programmen, die auf Disketten ausgeliefert werden, funktionieren, sofern sie systemkonform programmiert sind, also nicht direkt auf die Hardware zugreifen. Doch wie erstellen Sie nun diese Disk-Images?

ADF-Dateien erstellen

Unterstützte Formate: XAD V11
Disketten-Archivierer: CompDisk, DMS-Diskarchive, Warp, Zoom sowie die XPK-basierenden Archivierer CrunchDisk, PackDev, PackDisk, xDisk und die Puffer-Dateien des Disketten-Kopierprogramms SuperDuper 3.
Datei-Archivierer: Arj, BZip, BZip2, CAB (Format für Windows-Installationsdateien), DMS-Dateiarchive, GZip, LhA, LZX, MacBinary, RAR, RPM, StuffIt, Tar, WinZip, Zip, Zoo. Bei den Formaten LhA, Arj, DMS, RAR, WinZip, Zip und StuffIt unterstützt XAD selbstentpackende Archive unter AmigaOS, Windows und/oder MacOS.
Dateisysteme: Amiga OldFilesystem und FastFileystem im Normal-, International- oder Dircache-Modus, CBM-DOS 1541 (C-64) und 1581 (C-128), Microsoft FAT 12, 16 und 32, SmartFilesystem 3

Seit XAD V11 bieten die Befehle »xadUnDisk« und »xadUnFile« die Möglichkeit, nun direkte Disketten von einem echten oder virtuellen Laufwerk einzulesen. Der Befehl

xadUnDisk DF0: RAM:Test.adf DIMG

macht beispielsweise aus der Diskette im Laufwerk »DF0:« eine ADF-Datei. Disketten-Archive können Sie so jedoch nicht erzeugen. Der Grund: XAD unterstützt leider nur das Entpacken, nicht das Erzeugen von Archiven. Disketten-Images ­ eigentlich keine Archive im engeren Sinne ­ sind da die einzige Ausnahme.

Es gab mit xpkarchive.library schon einmal den Ansatz, auch das Erzeugen von Archiven zu standardisieren. Dieser hat sich jedoch nicht weit verbreitet. Es wäre schön, auch dafür einen Standard zu haben, der Archive der wichtigsten Typen erzeugen kann. Nicht jedes Format müsste unterstützt werden, manche Formate könnten mangels Quellcode oder Lizenz gar nicht unterstützt werden. Aber LhA, ZIP und GZip-Tar-Archive wären z.B. ein guter Anfang.
Erzeugen Sie so etwa aus all ihren Amiga-Disketten ADF-Dateien, brennen Sie diese auf eine CD-R, oder bringen Sie sie auf einen anderen Weg in Ihrem emulierten Amiga, und entpacken Sie sie dort nach Bedarf auf ihr virtuelles Disketten-Laufwerk. Auf der nächsten Amiga-Magazin-CD finden Sie »ArchiveDisk.rexx«, ein kleines ARexx-Skript, das beim Archivieren ihrer Disketten behilflich ist.

Sie können auch per »xadUnFile« auf Disketten zugreifen. Findet XAD ein unterstütztes Dateisystem, so extrahiert es alle Dateien, die es auf der Diskette entdecken kann. Dabei wird die Diskette nicht als reguläres Dateisystem angemeldet, was unter Umständen praktisch sein kann.

Was sonst noch so geht

Features von XAD
  • Modularer Aufbau: Alle Entpacker verwenden dieselbe Schnittstelle. Ein Programm, das XAD unterstützt, unterstützt damit viele verschiedene Formate.
  • Um ein neues Format zu unterstützen, bedarf es nur eines neuen Clients.
  • Kann, wenn das entsprechende Entpackprogramm, das XAD unterstützt, während des Entpackens von Archiven und ab Version 10 auch bereits während des Analysierens von Archiven unterbrochen werden.
  • Unzählige Formate von Datei-Archiven, Disk-Archiven und Disk-Images werden unterstützt. Entpackt (fast)
    alles.
  • Die meisten Entpacker von XAD sind stabiler, gerade beim Auftreten von Fehlern, als die Original-Entpack-Programme.
  • Unterstützt direktes Lesen von Disketten zum Erstellen von Disketten-Images, zum Kopieren von Disketten oder zum Extrahieren von Dateisystem-Informationen (Version 11)
 

XAD bietet noch zahlreiche andere Möglichkeiten. Erwähnenswert ist der Befehl »xadUnTar« als komfortable Möglichkeit Tar-Archive zu entpacken. Dabei unterstützt »xadUnTar« ungepackte als auch mit COMPRESS, GZIP, BZIP oder BZIP2 gepackte Tar-Archive (»tar.bz«-, »tar.bz2«-, »tar.gz«-, »tar.Z«- sowie ».tar.«-Dateien).
»xadUnTar« ist praktisch, da XAD selbst zwei Schritte braucht, um gepackte Tar-Archive zu dearchivieren. Im ersten Schritt wird das Archiv entpackt und im zweiten werden alle Dateien aus ihm extrahiert. Nachvollziehen können Sie diese zwei Schritte, wenn Sie zum Beispiel ein »tar.gz«-Archiv mit UnArc entpacken. Erst wird eine »tar«-Datei daraus, die Sie noch einmals mit »UnArc« behandeln müssen.

Auch in der Unix-Welt, wo diese Formate herkommen, ist diese Vorgehensweise üblich. Dort werden z.B. für »tar.gz«-Dateien die beiden Tools »gzip« und »tar« benötigt. Aber wie dort »tar« angewiesen kann, »gzip« gleich mitaufzurufen, so bietet »xadUnTar« ebenfalls die Möglichkeit, beide Schritte in einem zusammenzufassen, wie dies auch bei anderen Archiv-Formaten üblich ist.

xadUnTar apache_1.3.20_68060.tar.gz RAM:apache

entpackt z.B. ein Archiv mit der 68060er-Amiga-Version des beliebten Apache-Web-Servers in das Verzeichnis »RAM:Apache«. Über den Parameter »FILE« können Sie mit einem AmigaDOS-Muster wieder auswählen, welche Dateien entpackt werden sollen. »xadUnTar« unterstützt Dateinamen, die länger als die beim Amiga FastFilesystem üblichen 30 Zeichen sind. Das ist nützlich in Verbindung mit Dateisystemen, die längere Namen erlauben. Mit »NAMESIZE« setzen Sie die maximale Dateinamenlänge. Mit »SFS« wird der Standardwert für SmartFilesystem, 100 Zeichen, verwendet. Mit »LIST« können Sie sich auch wieder nur den Inhalt des Archives anzeigen lassen.

Selbstentpackende Archive

XAD unterstützt viele selbstentpackende Archiv-Typen. Und zwar nicht nur solche, wie sie auf der Amiga-Plattform verwendet werden, sondern z.B. auch selbstentpackende WinZip-Archive (s. Kasten »Unterstützte Formate«). In der Regel reicht es, diese mit UnArc, Voodoo-X oder xadUnFile zu entpacken. Manchmal ist es jedoch explizit notwendig, per »exe2arc« ein selbstentpackendes Archiv in ein gewöhnliches Archiv umzuwandeln. Selbstentpackenden Archiven ist eine Routine beigefügt, die das Entpacken der Archive übernimmt, wenn diese gestartet werden. »exe2arc« entfernt diesen Entpacker wieder. Wenn man weiß, um welchen Archiv-Typ es sich handelt, kann man diesen angeben, um das Analysieren des Archives zu verkürzen.
Das Format von Archiv-Dateien können Sie sehr leicht mit dem »xadList«-Befehl herausfinden. »xadList« arbeitet ähnlich wie der »List«-Befehl von AmigaOS. Allerdings zeigt es zu jeder Datei auch deren Typ an. Wenn XAD den Typ nicht erkennen kann, wird »unknown« angezeigt. XAD analysiert dabei seinem Zweck entsprechend nur Archiv-Dateien, Bild-Dateien unterschiedlicher Formate z.B. werden nicht erkannt. Lassen Sie »xadList« einfach mal über ihr Download-Verzeichnis laufen, um zu sehen, wie das aussieht.

Initialisieren
Auch virtuelle Disketten möchten formatiert werden. Zum Glück geht das rasend schnell.

Sehr praktisch und sinnvoll ist auch »CheckX«: Es dient dazu, mit Hilfe gleich dreier X-Systeme (XAD, XFD und XVS) in Archiven nach Viren zu suchen. Dabei werden via XVS viele Viren erkannt. XFD hilft, auch in gepackten Dateien nach Viren zu suchen und unterstützt sehr viele Packerformate. Bei jeweils aktuellen Versionen aller drei Systeme sollte sich in ihrem Download-Verzeichnis in keinem Archiv mehr so schnell ein Virus verstecken können. Die Befehlsfolge

CheckX classaction.lha

prüft eine einzelne Archiv-Datei.

CheckX Download:#? ALL

hingegen alle Archive im Verzeichnis »Download:«. Weiteres Feature von CheckX: Das Programm sucht auch in Archiven innerhalb von Archiven.


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Zuletzt aktualisiert am 24. 03. 2002.