AMIGA-Magazin · Ausgabe 3/99 · Installtion von Linux m68k

Aktuelles Heft 3/99

Starthilfen für angehende Pinguine

Mittlerweile gibt es auch für den Amiga mehrere Linux-Distributionen auf CD-ROM. Linux läßt sich also ohne lange Downloadzeiten auf dem Amiga installieren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie oft erscheinende Klippen auf dem Weg zu einer Linux-Installation umschiffen können und geben Ihnen einige Starthilfen.

von Martin Steigerwald

Bevor man sich eine Linux-CD kauft, sollte man prüfen, ob die eigene Amiga-Konfiguration für den Betrieb von Linux geeignet ist. Ihr Amiga-Prozessor muß eine MMU, eine Speichermanagement-Einheit, haben. Ab einem 030er haben alle 680x0-Prozessoren eine MMU, sofern sie nicht EC-Sparversionen sind.

Paßt die Hardware?

Wichtige Internet-Ressourcen
Linux-Distributionen

Debian Linux: http://www.de.debian.org
RedHat Linux: http://www.redhat.com
Eagle Linux: http://www.eagle-cp.com

Beide Distributoren bieten Mailinglisten für ihr Linux m68k an. Beide haben auch FTP-Server, die die kompletten Distributionen enthalten, ebenso Updates und Patches. Die FTP-Server der meisten Universitäten haben ein Linux-Verzeichnis. ftp.uni-erlangen.de und sunsite.auc.dk bieten viele Supportdateien und aktuelle Kernel für Linux m68k an. Linux m68k FAQ

ftp://sunsite.auc.dk/local/os/linux/680x0/FAQ
ftp://ftp.uni-erlangen.de/pub/Linux/LOCAL/680x0/FAQ/FAQ.gz

Wichtig ist ebenfalls, daß Sie einem Festplatten- und CD-ROM-Controller haben, der von Linux unterstützt wird. Es sprengt den Rahmen dieses Artikels, alle unterstützte Hardware aufzuzählen. Schauen Sie im Linux m68k-FAQ in Kapitel 5.2 nach und fragen Sie den Hersteller der CD-ROM, die Sie kaufen wollen, wenn Sie unsicher sind. So unterstützt z.B. RedHat 5.1 zur Zeit keinen Fastlane-Controller, so wie z.B. die Debian-Distribution. Neuere Kernel der 2.1er-Serie wissen auch mit dem Buddha- und dem Catweasel-Controller etwas anzufangen. Diese Kernel werden aber bislang noch nicht auf CD-ROM geliefert und müssen daher aus dem Internet bezogen werden (s. »Wichtige Internet-Ressourcen«). Zusätzlich dazu können Sie sich einen Kernel aus dem Internet holen und testen, ob er startet und in seinen Startmeldungen auch die in Ihrem System installierten Festplatten und CD-ROM-Laufwerke auflistet (s. Starten und Beenden von Linux). Lesen Sie dazu auch unseren Artikel »Das teuflische Vergnügen« [1], der die Installation von Debian-Linux beschreibt. Er beantwortet auch viele weitere grundlegende Fragen, die wir hier nicht nochmals behandeln möchten. Dort erfahren Sie auch, wie Sie Ihre Festplatte für Linux partionieren. Lesen Sie außerdem die Dokumentation zu ihrer Linux-CD-ROM. Eagle liefert ein deutschsprachiges gedrucktes Handbuch, bei RedHat müssen Sie mit einem englischsprachigen README und einer ebenso englischsprachigen (aber guten) HTML-Anleitung vorlieb nehmen.

Gerätenamen

Unter Linux werden Peripheriegeräte und Massenspeicher über andere Bezeichnungen angesprochen als unter AmigaOS. Für Einsteiger wichtig zu wissen ist vor allem, wie sich Festplatten-Partitionen und CD-ROM-Laufwerke angeben lassen. Die Angabe einer Festplattenpartition setzt sich aus folgenden Elementen zusammen:
/devDas Verzeichnis, das Beschreibungsdateien für alle Gerätetreiber enthält
/hdIDE-Festplatten und CD-ROM-Laufwerke
/sdSCSI-Festplatten (keine CD-ROM-Laufwerke)
a1. Festplatte
b2. Festplatte
usw. Reihenfolge,wie HDToolBox sie anzeigt.
11. Partition
22. Partition
usw.
Ein SCSI-CD-ROM-Laufwerk wird in der Regel unter /dev/scd0 ins System eingebunden, ein zweites unter /dev/scd1 usw. Ein IDE-CD-ROM-Laufwerk wird wie eine IDE-Festplatte behandelt. Das Diskettenlaufwerk läßt sich unter /dev/fd0 ansprechen, eine eventuell eingerichtete RAM-Disk - wichtig bei der Erstinstallation von Linux - mit /dev/ram.

Anmelden von Geräten

Unter Linux muß jede Festplattenpartition, jede CD-ROM und Diskette vor der Benutzung angemeldet werden, d.h. gemountet. Wie auf dem Amiga geschieht dies mit dem mount-Befehl. Allerdings werden Geräte direkt im Verzeichnisbaum angemeldet. Dazu erstellt man mit mkdir ein Verzeichnis und mountet unter diesem dann das entsprechende Gerät. Für ein SCSI-CD-ROM-Laufwerk würde das z.B. so funktionieren:

mkdir /cdrom
mount /dev/scd0 /cdrom

Dazu muß jedoch eine CD im Laufwerk sein, die Linux erst dann wieder hergibt, sobald man mit umount /cdrom die CD-ROM wieder abmeldet. Vor dem Ausschalten des Computers sollten immer alle Dateisysteme abgemeldet werden (s. Kasten »Starten und Beenden von Linux«). Dabei wird das verwendete Dateisystem in der Regel automatisch erkannt. Es läßt sich jedoch auch ausdrücklich mit der Option -t angeben. So mountet das folgende Beispiel die 1. Partition der 1. IDE-Festplatte als Amiga FastFileSystem-Partition:


mkdir /amiga
mount -t affs /dev/hda0
/amiga

Mögliche Dateisysteme sind je nach Kernel z.B.:

affsAmiga FastFileSystem
msdosMS-DOS FAT-FileSystem
ext2fsExtended2 Filesystem, das gebräuchlichste Linux-Dateisystem
iso9660ISO9660, ein gebräuchliches CD-ROM-Dateisystem.
Wer bestimmte Dateisysteme nicht nach jedem Neustart von Linux erneut anmelden will, kann sie in die Datei /etc/fstab eintragen:
Gerät/dev/ amiga
Mountverzeichnis/amiga
Dateisystemiso9960
Flagsdefaults 0 0

Defaults ist das übliche Verfahren, ein Dateisystem einzubinden - es wird dabei automatisch eingebunden. Wer ein Dateisystem lieber manuell mounten will, schreibt statt dessen noauto. Dies ist bei einem CD-ROM-Laufwerk sinnvoll, da es beim Booten nicht unbedingt eine CD-ROM enthält. Für weitere Informationen lesen Sie die Linux-Dokumentation (s. »Wie finde ich Hilfe?«).

Starten und Beenden von Linux

Bildschirmanzeige
Der Linux Kernel unterstützt den Parameter video für die Angabe des Screenmodes in der Linux starten soll, z.B.:
amiboot -v root=/dev/sdb4 video=cyberfb:1024x768-8
Für Amiga sind z.B. folgende Videomodi definiert:
AGA/ECS
palPAL:HighRES, 640x256
pal-lacePAL:HighRES Lace, 640x512, flimmernd
multiscanMultiScan:Productivity, 640x480, flimmerfrei
vga640x480, flimmerfrei, 31KHz
Grafikkarten
cyberfb:<modus>CyberVision 64
virgefb:CyberVision 3D
clgen:<mode>:lowGrafikkarten mit Cirrus Logic Chip
Unterstützte Auflösungen (Modi)
640x480-8800x600-81024x768-8
1152-886-81280x1024-81600x1200-8
 
16-Bit und 24-Bit Farbtiefe werden nicht unterstützt. Bei der CyberVision 64 und 3D muß vor dem Start des Kernels mit amiboot schon auf Amigaseite der entsprechende Screenmode aktiviert werden, da der Linux-Treiber nicht selbst einen Screen öffnen kann. Dazu sollte noch die Option -keep-video+ oder -v angegeben werden, damit der aktive Screenmode beibehalten wird. Bei neueren Kernels der 2.1er-Versionen soll es ohne diesen Umweg gehen.
Auf dem Amiga wird Linux üblicherweise mit dem Programm amiboot gestartet. Dieses Amiga-Programm lädt den eigentlichen Linux-Kernel, meist vmlinux genannt und übergibt ihm die angegeben Parameter für den Start von Linux und die Kontrolle über den Computer. AmiBoot muß dafür wissen, wo der Kernel als Datei auf der Amiga-Partition ist, und der Kernel, von welcher Partition er booten soll (s. Gerätenamen):

amiboot -k vmlinux
root=/dev/sdb1

Der Kernel kann dabei auch GZip-gepackt vorliegen. Sein Name muß nur angegeben werden, wenn er nicht vmlinux heißt und im aktuellen Verzeichnis liegt.

Für die Erstinstallation wichtig: Das Booten eines Minimal-Linux-Systems für das Abarbeiten der Installationsroutine. Dafür erstellt amiboot aus einer mit -r anzugegebenden Datei eine RAM-Disk, die der Kernel mit root=/dev/ram als Bootlaufwerk verwendet. Lesen Sie dazu die Beschreibung zu Ihrer Linux-CD oder die Linux-FAQ.

Wer eine Grafikkarte hat oder einen anderen Screenmode verwenden will, als der Kernel standardmäßig verwendet, muß noch die Kernel-Option video angeben (s. »Bildschirmanzeige«). Der Kernel initialisiert sich nun, was er mit allerlei Meldungen dem Benutzer mitteilt. Dann versucht er, auf das angegebene Root-Laufwerk zuzugreifen. Wenn er ein bootbares System findet, versucht er, den Prozess init zu starten. Dieser arbeitet dann ein recht komplexes System von Skripten ab, um Linux in den Mehr-Benutzerbetrieb hochzufahren.

Am Ende landet man dann in einer Linux-Console und wird nach seinem Login-Namen und Passwort gefragt. Danach kann man Befehle eingeben oder mit startx die grafische Oberfläche X11 starten.

Wer Linux dann nach getaner Arbeit beenden möchte, sollte auf keinen Fall einfach nur den Computer ausschaltet. Es ist wichtig, daß alle angemeldeten Geräte wieder abgemeldet werden, damit evtl. nur im Hauptspeicher befindliche Informationen noch gespeichert werden können. Dies geht mit dem Befehl:

shutdown -r now

Damit führt Linux sofort -now herunter und der Amiga wird neu gestartet. Mit -h statt -r wird das System nur angehalten und nicht neu gestartet. Debian Linux z.B. unterstützt auch die beiden Abkürzungen halt und reboot. Linux kann nur vom Benutzer root aus heruntergefahren werden, es sei denn, man drückt in einer Textconsole Ctrl-Alt-Entf (Reset-Tastenkombination bei PC-Computern). Damit wird Linux auch heruntergefahren und neu gestartet. Aber Vorsicht! Nicht Ctrl-Amiga-Amiga drücken!

Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Tips zum Thema Amiga-Linux haben, dann schreiben Sie per Post oder E-Mail an die AMIGA-Magazin-Redaktion. Wir veröffentlichen Ihren Beitrag.

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Literatur:
[1] Das Teuflisches Vergnügen, Martin Steigerwald, AMIGA-Magazin 3/98, S. 20
[2] Der Adler kommt, Martin Steigerwald, AMIGA-Magazin 6/98, S. 14


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Zuletzt aktualisiert am 30. Januar 1999.